Nr. 10/2011 vom 10.03.2011

Der Kebabmann von der Bischofstrasse

Von Anna Wegelin

«Hochzeitsflug» ist bereits der fünfte Roman des 46-jährigen Schriftstellers kurdischer Herkunft und WOZ-Kolumnisten Yusuf Yesilöz, der sich inzwischen auch als Filmemacher einen Namen gemacht hat. Allgegenwärtig in seinen Büchern – etwa in «Der Gast aus dem Ofenrohr» (2002), «Der Imam und die Eselin» (2004) oder «Reise in die Abenddämmerung» (2004), die alle im Rotpunktverlag erschienen sind – ist das Migrationsthema.

In «Hochzeitsflug» schlüpft der Autor in die Haut des Informatiklehrlings Beyto, der mit acht sein (damals) über alles geliebtes «Dorf» in der Türkei verlassen musste und mit seinen Eltern nach Deutschland zog. Sein Vater Safir führt mit seiner Frau (und Cousine) Narin das «Beyto Kebab House» in der Bischofstrasse, «berühmt-berüchtigt für sein Nachtleben». Jeden Abend zählt er die Einnahmen per Hand, eine Tranche geht an die Verwandten im Dorf. Die der dortigen Tradition verpflichteten Menschen bilden den Stoff für die immer wiederkehrenden Geschichten, die Beytos Eltern in der «Dauerfremde» am Leben erhalten.

Zum Migrationsthema fügt Yesilöz eine weitere Dimension hinzu: Der «ehemalige Immigrant» Beyto ist schwul, getraut sich aber nicht, zu seiner Liebe zu Manuel zu stehen: Er will den Ruf seiner Eltern nicht zerstören, für die Schwule «vom Satan verführte Männer» sind.

«Hochzeitsflug» mündet nicht im Coming-out und ist also eine verhinderte Emanzipationsgeschichte. Als tückisch erweist sich, dass der Autor die Nahperspektive auf seine Hauptfigur wählt: Beytos Verhaftetsein in seiner Ursprungskultur, seine Melancholie ist von Anfang klar und nimmt dem Drama den Pfiff. Allerdings geht Yesilöz konsequent vor: Er bleibt ganz nah an Beyto, sogar Wortwahl und Tonfall der Romansprache sind von seinem Mund abgeschaut. Das verleiht dem Buch eine Glaubwürdigkeit, die der Autor seinen realen Vorbildern unter den Kindern von Migrantenfamilien schuldet.

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