Nr. 02/2013 vom 10.01.2013

Stachelig wie ein Kaktus

Von Anna Wegelin

Im Vorwort seiner «Geschichten von west-östlichen Begegnungen» mit dem schmackhaften Titel «Kebab zum Bankgeheimnis» verrät WOZ-Kolumnist Yusuf Yesilöz, wie er den Stoff findet: «Ohne mein ‹fremdes› Aussehen in diesem Café», so der Schweizer mit kurdischen Wurzeln, «hätte ich diese Geschichte wie viele andere wohl verpasst.» Ob im Café, in der Dönerbude oder im Zug zwischen Winterthur und Bundesbern, wo der 48-jährige Autor und Dokumentarfilmer bis vor kurzem als Übersetzer arbeitete – wer fremd wirkt, übt eine grosse Anziehungskraft aus.

«Kebab zum Bankgeheimnis» besteht aus 36 Kurztexten, die zwischen 2001 und 2012 veröffentlicht wurden. 22 davon sind zwischen 2010 und 2012 in der WOZ erschienen. Drei Texte sind Erstveröffentlichungen.

Ganz der Yesilöz, wie wir ihn kennen, befasst er sich in einer bildstarken und schnörkellosen Sprache mit SchweizermacherInnen, die die Gemeinschaftsgartenbenutzung nur mittwochs erlauben, oder mit Landsleuten aus der Türkei, für die erfolgreiche Integration darin besteht, dem eigenen Kebabladen einen poppigen Namen à la Burger King zu verleihen. Die Themen reichen von Spermienbanken über Offroader bis zur Einbürgerung von AusländerInnen.

Immer wenn Blocher und seine Partei dran sind, ist Schluss mit Humor. Die Figur des asylsuchenden Kalo dient Yesilöz als Opfer des grauenvollen SVP-Menschenbilds. Wie gut, dass sich der Geschichtenerzähler in solchen Momenten an seine kurdische Grossmutter erinnert. Hätte er sie nach einer Erklärung für die anhaltende Popularität des Herrlibergers gefragt, meint er, «so hätte sie wohl ihre buschigen Augenbrauen hochgezogen und gesagt: Er ist halt nur eine wohlgenährte Laus auf dem Kopf, die nicht rauszukämmen ist.»

«Begegnungen mit dem Fremdsein», so Yesilöz im Vorwort, liessen sich mit einem Kaktus vergleichen: «Man sollte ihn auf dem Nachhauseweg so zu halten wissen, dass er einen nicht sticht, bevor er blüht.»

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