Nr. 15/2011 vom 14.04.2011

Drama auf dem Dreihöhlenberg

Von Anna Wegelin

«Grossvater und die Schmuggler», die neue Abenteuergeschichte von Per Olov Enquist für Menschen ab zehn, erscheint in einer Startauflage von 30 000 Exemplaren. Verkauft sie sich so gut wie «Grossvater und die Wölfe» (deutsch 2009), wird das Vierfache nachgedruckt werden.

«Grossvater», ein berühmter Schriftsteller, seine Frau Gunilla und ein Haufen Enkelkinder sind in den Ferien im Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen. «Vom Basislager 1» aus unternehmen sie einen mehrtägigen Ausflug auf den Dreihöhlenberg. Der Trip wird zum Kampf um Leben und Tod gegen eine russischsprachige Bande, die harte Drogen und mehr über die Grenze in die «Heroinstadt» Oslo schmuggeln will. Die Schergen haben anhand eines Buchs von Grossvater (mit integrierter Landkarte!) über eine Exkursion auf den Dreihöhlenberg die dritte Höhle zu ihrem Zwischenlager erkoren ... Die Kids, Hund Pelle und die wilden Tiere Bär, Wolf und Schlange sorgen dafür, dass die Kerle am Ende von der Polizei abgeführt werden. Und der Grossvater schaut dem Treiben machtlos zu (während er als Autor die Fäden zieht).

«Grossvater und die Schmuggler» ist zunächst intelligente und humorvolle Unterhaltung. Die Illustrationen von Leonard Erlbruch passen gut zum Text, in dem kindliche und altmodische Sprache miteinander harmonieren. Der Erzähler ist mal nah an Grossvater, mal beim Enkel Marcus. Das sorgt zusätzlich für Abwechslung.

Es ist aber auch ein ernsthaftes Buch über den Tod. So handelt der Prolog vor der eigentlichen Geschichte von der Hündin Mischa, die eingeschläfert werden muss; Grossvater kämpft gegen sein schwaches Herz an; und eine Wolfsmutter zieht sich zum Sterben in die Höhle zurück.

Grossvater ist ein alter Mann geworden. Die Kindeskinder haben das Zepter übernommen und ziehen ihn noch ein Stückchen mit. In einer Umgebung, in der die Natur noch eine mythische Dimension hat und Werden und Vergehen nahe beieinander sind.

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