Nr. 45/2011 vom 10.11.2011

Die Waffenhändler rüsten sich

Ja nicht zu spät kommen, hat sich offenbar das britische Handelsministerium gedacht – und so lädt es derzeit die Rüstungsfirmen des Landes zu einer Reise nach Libyen ein. Der Trip ist für Anfang nächsten Jahres angesetzt, wie die britische Tageszeitung «Independent» herausfand; in Tripolis will die hochkarätig besetzte Delegation unter Führung von Kabinettsmitgliedern Verhandlungen mit der neuen Regierung führen. Bereits im vergangenen Monat hatte Lord Stephen Green, Staatssekretär im Handelsministerium und bis vor kurzem Direktor der Grossbank HSBC, Gespräche in Libyen geführt – um die Chancen von Grossaufträgen für britische Unternehmen auszuloten.

Laut dem «Independent»-Bericht vom Wochenende sind vor allem Nato-Staaten wie Frankreich und Britannien «entschlossen», die Kosten ihrer Luftangriffe «wieder hereinzuholen». Das zerstörte, aber energiereiche Libyen wird, so schätzt man in London, in den nächsten Jahren Aufträge im Wert von bis zu 300 Milliarden Franken vergeben müssen; vor allem im Öl-, Infrastruktur- und Bildungsbereich könnte da die neue libysche Regierung zu einem lukrativen Kunden werden.

Libyen ist nicht das einzige Land, das die britische Rüstungsindustrie im Auge hat. Während einer parlamentarischen Fragestunde vergangene Woche gab Mark Prisk, Staatssekretär im Londoner Businessministerium, bekannt, dass die Verteidigungs- und Sicherheitsorganisation des Handelsministeriums auch Reisen nach Saudi-Arabien, Kasachstan und Kolumbien vorbereite. Am 22. November beginnt in Riad eine grosse Rüstungsmesse, und diese Gelegenheit wollen Britanniens Rüstungsfirmen nicht verpassen. Die autoritären Herrscher von Saudi-Arabien sind seit je eine gute Kundschaft. Ein Teil der von Britannien gelieferten Waffen soll auch eingesetzt worden sein, als saudische Truppen im März die Protestbewegung in Bahrain niederschlugen. pw

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