Nr. 49/2011 vom 08.12.2011

Kein Atomstrom für die Enkelkinder

Das Parlament verbietet den Bau von neuen Atomkraftwerken in der Schweiz und ergänzt: «Damit wird kein Technologieverbot erlassen.» Auf diese Sprachregelung des Ständerats schwenkte am Dienstag dieser Woche nun auch der Nationalrat ein.

Die Verknüpfung von Neubauverbot und Technologiegebot ist weniger widersprüchlich, als sie scheint. Denn Nukleartechnik ist nötig, weil die heutige Generation ihre alten Atommeiler unbefristet weiterlaufen lassen will, um weiterhin billigen Atomstrom zu konsumieren. Unsere Enkelkinder und deren Kinder dürfen zwar keine AKWs mehr bauen und sollen auf Atomstrom verzichten. Sie müssen allerdings unsere Atomreaktoren, die wir ihnen hinterlassen, dereinst dann verschrotten und unseren Atommüll entsorgen. Damit sie dabei nicht tödlich verstrahlt werden, sind auch sie auf eine zuverlässige Atomtechnologie angewiesen.

Aus generationenübergreifender Sicht sind die Atombeschlüsse des Parlaments zwar egoistisch und heuchlerisch. Aus energiepolitischer Sicht ist der Abschied von der Atomenergie, so spät er auch kommt, natürlich trotzdem richtig. Denn solange hoch subventionierter Atomstrom in unsere Steckdosen und unsere Elektroheizungen fliesst, so zeigt die Erfahrung, nimmt die Stromverschwendung weiter zu.

Allerdings reicht das Verbot von neuen AKWs allein nicht. Um unseren Energieverbrauch auf ein weltverträgliches Mass zu senken, braucht es strenge Verbrauchsnormen, Verbote von unsinnigen Energieanwendungen und eine griffige ökologische Steuerreform. Heute, nicht erst morgen. Damit für spätere Generationen neben unserem Atommüll auch noch etwas Energie übrig bleibt. hpg

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