Nr. 02/2012 vom 12.01.2012

Atomkraftwerke im Stresstest

Von Susan Boos

Der Stresstest, das Wort des Jahres 2011. Ein gäbiges Wort, anwendbar auf Menschen, Banken und vor allem auf Atomkraftwerke. Testpersonen strampeln auf Velos, und wenn sie nicht tot umfallen, ist es schon mal nicht schlecht. Bei den Atommeilern versteht man nicht genau, wie sie stressgetestet werden. Wie es aussieht, werden vor allem Sicherheitssysteme neu berechnet, von denen die Behörden stets behauptet haben, sie seien sicher.

Noch kein AKW ist durch den Stresstest gefallen. Auch die schweizerischen haben soeben ihre Prüfung bestanden. Die Betreiber müssen nachbessern. Und einige Risiken, von denen Wutbürger schon immer sagten, sie seien zu hoch, müssen sie nachrechnen. Etwa, ob der hundertjährige Damm oberhalb des AKWs Mühleberg wirklich einem starken Erdbeben standhält.

Diese Frage hat man sich auch ohne Stresstest schon lange gestellt. Man braucht nicht Nuklearphysikerin zu sein, um sich vorzustellen, was passiert, wenn sich der Wohlensee über das AKW Mühleberg ergiesst. Aber wer will schon so aufmüpfig sein und die Aufsichtsbehörden zu Mopfern* machen, schliesslich sind sie auch nur Menschen im Stresstest.

Nach Tschernobyl wünscht man sich halt Nulltoleranz, weil es ein bisschen Super-GAU nicht gibt. Also wär es doch klüger, die alten Kästen abzustellen.

«Ich kann das!», hat Doris Leuthard vor ihrer Wahl zur Bundesrätin gesagt. Tun Sie es! Herr Steinbrück hat vorgemacht, wie man sich durchsetzt: «Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.»

AKWs sind nicht alternativlos. Die betagten Dinger weiter laufen zu lassen, wäre eine Nulllösung. Da draussen wartet eine andere Energiepolitik, Deutschland – wir kommen. Nicht dass es am Ende wieder heisst: «Switzerland – zero points!»

Kursiv gesetzt sind Wörter, Unwörter oder Sätze des Jahres, die in Deutschland oder der Schweiz gekürt wurden. * «Mopfer»= Mix aus «Mobbing» und «Opfer»

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