Nr. 08/2012 vom 23.02.2012

Mit Karacho nach Bellinzona

Von Stephan Pörtner

Der Zug aus Basel kam seit Tagen nicht an, weil er sich nicht für eine der beiden vorgegebenen Routen entscheiden konnte. Die Passagiere schauten verwundert aus dem Fenster, als sie in Arosa ankamen, wohin natürlich niemand gewollt hatte. Weil das Wetter schön war und Schnee bis unters Dach lag, ergab man sich dem Zwischenhalt und ging sich auf den Winterwanderwegen die Beine vertreten. Der Zug änderte inzwischen erneut die Meinung und die Richtung und fuhr im Karacho über Chur nach Bellinzona, was ein logistisches Meisterwerk war auf dieser überlasteten Transitachse. Wohin der Zug danach verschwand, bleibt ein gut gehütetes Rätsel.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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