Nr. 28/2009 vom 09.07.2009

Orientierungslose Wolken

Von Stephan Pörtner

Auf hoher See herrscht meist gutes Wetter, weil den Wolken über dem Meer die Orientierung fehlt. Sie finden auch keine Berge zum Ausregnen, höchstens ein paar Wetterschwalben, die dem Klimawandel eine lange Nase drehen. Darum fläzten die beiden Hochseepassagiere Köbi und Röbi meist in Plastikliegestühlen auf dem Hinterdeck und warteten, bis der Seegang sie in einen angenehmen Dämmerzustand schaukelte. Dann träumten sie von Meerjungfrauen und Tiefseemonstern, erlebten wilde Tauchgänge und wachten mit gestärktem Appetit auf, um alsbald die nächste der täglichen sechzehn Speisungen einzunehmen. So kam es, dass sie am Zielhafen nicht nur gut ausgeruht, sondern kugelrund von Bord purzelten.

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