Nr. 12/2012 vom 22.03.2012

Ein Finanzmann fürs Präsidium der Grünen?

Von Jan Jirát

Sitzt im Präsidium der Grünen schon bald ein ehemaliger Investmentbanker und aktueller Verwaltungsrat einer ziemlich undurchsichtigen Investitionsfirma für erneuerbare Energien? Die Rede ist von Claudio Zanini von den Tessiner Grünen. Auf der (umwelt)politischen Bühne ist er weitgehend unbekannt. Dafür hat er sich aber in der Wirtschaftswelt einen Namen gemacht: Fast zwanzig Jahre lang arbeitete Zanini als Investmentbanker in leitenden Positionen für die UBS – und zwar zusammen mit seinem Jugendfreund Sergio Ermotti, dem heutigen Chef der grössten Schweizer Bank.

Gemeinsam gründeten die beiden Tessiner Banker 2004 die Reninvest SA mit Sitz in Chiasso – eine Firma, die hauptsächlich in Windparks und in Sonnenenergie, unter anderem in Italien und Griechenland, investiert. 2010 berichtete die «NZZ am Sonntag» über ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer KPMG, die vor Geschäften mit Zaninis Firma warnten, weil diese an «zum Teil undurchsichtigen Konstrukten» beteiligt sei. Es handelte sich dabei um karibische Finanzkonstrukte, die in den meisten Fällen der Steueroptimierung dienen, in den schlimmsten der Geldwäscherei.

Die Grünen wählen am 21. April ihr neues Parteipräsidium. Bisher besteht die Spitze der Partei aus drei Personen – Ueli Leuenberger (Präsident) sowie Franziska Teuscher und Aline Trede (Vizepräsidentinnen). Neu soll die Anzahl der VizepräsidentInnen auf bis zu sechs Personen aufgestockt werden. Für diesen Posten bewerben sich insgesamt elf KandidatInnen. Einer davon ist Claudio Zanini. Derzeit finden die Anhörungen der KandidatInnen in den kantonalen Sektionen statt. Vielleicht wollen die ParteikollegInnen von Zanini ja mehr über seine undurchsichtige Investitionsfirma erfahren.

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