Nr. 15/2012 vom 12.04.2012

Kunst an Strassen und auf Plätzen

Von Edith Krebs

Es ist eine Fleissaufgabe sondergleichen, der sich die Architektin und Kunsthistorikerin Bernadette Fülscher gestellt hat: In fünf Jahren hat sie rund 1300 Kunstwerke im öffentlichen Raum (KiöR) der Stadt Zürich inventarisiert und fotografiert. Fast täglich ist sie durch Quartiere geradelt, hat manchmal zielgerichtet eine bekannte Skulptur aufgesucht, oft aber einfach aufmerksam die Strassen und Plätze nach Kunst abgesucht. Angefangen hat sie aus eigener Initiative, später hat die Stadt sie bei ihrer Aufgabe unterstützt.

Nun ist sie also erschienen, die erste umfassende Bestandesaufnahme von Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. Positiv fällt die Gliederung in die einzelnen Stadtviertel auf, die zu Erkundungstouren ermuntert. Weniger froh stimmen die kleinformatigen, nicht professionellen Fotografien. Die Angaben zu den einzelnen Werken beschränken sich auf die Nennung des Urhebers, des Titels – sofern bekannt – sowie den Standort des Werks. Weiter gehende Informationen wären vor allem für ein Laienpublikum sehr aufschlussreich gewesen – gerade dieses ist ja bei Kunst im öffentlichen Raum herausgefordert.

Eher knapp fällt auch die Einführung in die Geschichte der KiöR in der Stadt Zürich aus. Wichtige Punkte der Stadtentwicklung wie etwa die erste Eingemeindung von Aussenquartieren im Jahr 1893 werden zwar gestreift, ebenso die wesentlich höhere Dichte von Werken in «besseren» Stadtkreisen im Vergleich zu den Arbeiter- und Industrievierteln – eine vertiefte Analyse der politischen Bedeutung von KiöR als Mittel zur Darstellung von Macht und Reichtum fehlt indessen. Dasselbe gilt für die zunehmende Inanspruchnahme von Kunst im öffentlichen Raum für das Stadtmarketing.

Vielleicht wäre es zeitgemässer gewesen, das vorliegende Material digital zu erfassen und der interessierten Öffentlichkeit als Onlinedatenbank zur Verfügung zu stellen. Immerhin kann die vorliegende Publikation als Anstoss für ein solches Projekt dienen, das überdies den Vorteil hätte, stetig aktualisiert und korrigiert werden zu können.

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