Nr. 20/2012 vom 17.05.2012

Mit Lichtmeldern gegen Brandanschläge

Von Carlos Hanimann

Man stelle sich vor, jemand hätte versucht, eine Truppenunterkunft in Brand zu setzen – oder das Wohnhaus einer Politikerin, sagen wir: Natalie Rickli. Es wäre der Teufel los: Terrorismus! Versuchter Mordanschlag! Polizeischutz! Pressekonferenzen! Titelseiten! Leitartikel!

In Affoltern am Albis im Kanton Zürich wurde in jüngster Zeit gleich zweimal innerhalb einer Woche Feuer gelegt – bei einer Asylunterkunft gleich neben dem Bahnhof.

In der Nacht auf Samstag, den 5. Mai, kurz vor vier Uhr in der Früh, bemerkte ein Asylsuchender Rauch im Hauseingang: Die Tür zum ehemaligen Durchgangszentrum, in dem heute rund zwanzig AsylbewerberInnen wohnen, war angezündet worden. Ein Holzschopf, der sich zwei Schritte neben dem heruntergekommenen Haus befindet, war ebenfalls in Brand gesetzt worden. Die BewohnerInnen löschten das Feuer selbst. Polizei, Feuerwehr und Forensischer Dienst beäugten den Tatort später, befragten die Asylbewerber. Bereits eine Woche zuvor hatte jemand versucht, ein Feuer zu legen. Bei den Ermittlungen stehen «in beiden Fällen Brandstiftung als Ursache im Vordergrund». Ob ein rassistisches Motiv hinter den Anschlägen stehe, kann die Polizei nicht sagen, man ermittle in alle Richtungen, Hinweise gibt es aber bislang keine.

Ein Bewohner der Asylunterkunft sagt, er wolle lieber nicht darüber reden. Er glaube auch nicht, dass so etwas noch mal passiere. Er hat nichts gesehen, wie die anderen BewohnerInnen auch. Er schlief, als die Brände gelegt wurden.

Verletzt wurde niemand, der Sachschaden ist gering, das Vorgehen scheint dilettantisch (man geht davon aus, dass das Feuer mit Kaminanzündern gelegt wurde). Kann man den Vorfall also schnell vergessen?

Die Polizei tappt im Dunkeln, die Gemeinde hält sich mit Kommentaren zurück, Nachbarn der Asylunterkunft möchten sich nicht äussern. Titelseiten? Pressekonferenzen? Das mediale Echo beschränkt sich auf Kurzmeldungen. Anschläge auf eine Asylunterkunft – unschöne Nachrichten, die niemand breittreten mag.

In Affoltern geht derweil alles seinen Gang. Drei Tage nach dem zweiten Anschlag standen Elektromonteure vor dem Haus. Sie installierten neue Lampen; Lichtmelder sollen nun die Asylsuchenden schützen.

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