Nr. 22/2012 vom 31.05.2012

Dreckige Wolken

Nur Russland, China und die USA verbrauchen mehr Strom als die Rechenzentren von Apples iCloud, Facebook, Twitter et cetera.

Von Susan Boos

Cloud-Computing gibt zu reden, weil private Daten irgendwo gespeichert werden und man die Kontrolle darüber verliert (vgl. WOZ Nr. 21/12). Die Cloud hat aber noch eine andere schmutzige Seite. Die riesigen Rechenzentren, die die grossen Betreiber von Clouds und sozialen Netzwerken unterhalten, brauchen viel Energie und werden zumeist mit Kohle- oder Atomstrom betrieben. Wer immer Twitter, Facebook oder die iCloud von Apple nutzt, produziert irgendwo auf der Welt Dreck.

Greenpeace International hat vor kurzem einen Bericht publiziert, in dem die Umweltorganisation die verschiedenen Cloud-Anbieter analysierte. Apple kommt dabei besonders schlecht weg. Der Konzern deckt 55 Prozent des Energiebedarfs seiner iCloud mit Kohle-, weitere 28 Prozent mit Atomstrom. Greenpeace kritisiert die Intransparenz des Konzerns, der sich weigert, «den gesamten Energieverbrauch oder den ökologischen Fussabdruck der iCloud offenzulegen».

Die Schelte scheint etwas ausgelöst zu haben. Apple hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass man nun über die Hälfte des Energiebedarfs eines neuen Rechenzentrums in North Carolina (USA) mit Solarstrom decken werde. Woher der Rest der benötigten Energie kommt, will Apple nicht sagen.

Ähnlich lief es mit Facebook. Als Anfang 2010 bekannt wurde, dass das Unternehmen eine neue Serverfarm mit Kohlestrom versorgen will, startete Greenpeace eine Kampagne und begann, Facebook mit Facebook zu bekämpfen. 700 000 Menschen sollen sich daran beteiligt haben. Im Januar 2012 gab das Unternehmen nach und versprach, man wolle künftig in erneuerbare Energien investieren. Das neue Facebook-Rechenzentrum wird nun in Schweden hochgezogen und vor allem mit erneuerbarem Strom betrieben. Facebook erhält deshalb im Greenpeace-Report beste Noten. Allerdings fragt man sich: Weshalb eigentlich? Wer braucht Facebook wirklich? So viel verplemperte Energie für ein bisschen Geplauder? Eine Kilowattstunde kann man nur einmal einsetzen, auch erneuerbare Energien sind endlich.

Die vielen Rechenzentren von Google, Amazon, Twitter et cetera konsumieren bereits mehr Strom als Indien. Zumindest gemäss den Daten von Greenpeace, und die stammen aus dem Jahr 2007, vermutlich haben die Serverfarmen inzwischen bereits Japan überholt. Nur Russland, China und die USA verbrauchen noch mehr Strom.

Google kommt beim Greenpeace-Rating übrigens gut weg, weil sich der Konzern dazu bekannt hat, «so viel erneuerbare Energie wie möglich zu nutzen». Amazon, Twitter oder Microsoft stehen indes schlecht da. Die kann man zwar meiden, doch ganz ohne Internet wird das Leben schwer. Um überhaupt ins Internet zu gelangen, braucht man einen Provider. Swisscom (mit Bluewin) ist nicht übel, verspricht das Unternehmen doch, seine Server ohne Kohle- oder Atomstrom zu betreiben. Daneben gibt es erste kleine, feine Anbieter, die ihre Server exklusiv mit Solarstrom betreiben, wie zum Beispiel Horus Networks in Neuenburg: Dort kann man Öko-Serverplatz mieten oder «Eco-Mails» und «Eco-SMS» verschicken (www.horus.ch).

Das Übel steckt allerdings nicht einfach in den Clouds beziehungsweise den Rechnern der Provider. Die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt (Empa) hat es kürzlich ausgerechnet – und etwas kompliziert formuliert: «Der Internetznutzer braucht rund 3-mal mehr Material, verbraucht 20-mal mehr Energie und verursacht während der Herstellungs- und Nutzungsphase 10- beziehungsweise 20-mal mehr Umweltbelastung als die Internetprovider.»

Den Datentransfer selbst kann man vernachlässigen – was umweltbelastend ist, sind neben den Rechenzentren vor allem die vielen Leitungen und die Tonnen von Geräten, die in den Unternehmen und den Haushalten stehen. Die Empa hat errechnet, dass die Internetinfrastruktur in der Schweiz etwa 100 000 Tonnen wiegt und jedes Jahr um 20 000 Tonnen schwerer wird. Dieses Monster müsste dringend abnehmen. Die Empa zeigt wie: keine grossen Computer mehr kaufen, sondern nur noch kleine, leichte Laptops – zudem sollten die Geräte vier statt nur drei Jahre benutzt werden. Das ergäbe laut Empa bereits ein «ökologisches Internet», dessen Gewicht um 30 Prozent und dessen Gesamtenergieverbrauch um 20 Prozent sinken würde. Da liegt also noch viel drin.

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