Nr. 31/2012 vom 02.08.2012

Drohende Hungerkrisen

Von Daniel Stern

Der Kampf um die gelben Körner hat begonnen. Wegen einer starken Dürre in weiten Teilen der USA sind die Ernteaussichten für Mais, Soja und Weizen dramatisch gesunken. Deshalb fordern jetzt die US-FleischproduzentInnen ein Ende der staatlichen Bevorzugung für die Ethanolfabriken. Die Benzinraffinerien sind laut einer behördlichen Anweisung verpflichtet, dem Treibstoff jedes Jahr mehr Ethanol beizumischen. Aufgrund der zu erwartenden Ernteausfälle könnte dieses Jahr über die Hälfte der geernteten Maiskörner in Ethanol verwandelt werden. Die FleischproduzentInnen fürchten, ihre Schweine- und Hühnermästereien schliessen zu müssen. Schon jetzt wird Mais, aber auch Soja und Weizen, an der Börse in Chicago zu einem Rekordpreis gehandelt.

Die USA sind nicht nur der grösste Maisproduzent, sondern exportieren auch am meisten. Bereits wird in Asien mit Notschlachtungen von Masttieren gerechnet, da es an bezahlbarem Futter fehlen wird. Doch die Auswirkungen der steigenden Preise für Weizen und Mais werden diejenigen am härtesten treffen, die solche Nahrungsmittel konsumieren. Eine aktualisierte Studie des New England Complex Systems Institute (NECSI) in Cambridge warnt vor weltweit massiv steigenden Nahrungsmittelpreisen. Grund dafür sei die Verarbeitung von Mais zu Ethanol, aber auch die Spekulation an den Börsen, welche die Preise für Mais, Soja und Getreide weiter hochtreiben werde. Die Analyse historischer Daten ergebe, dass noch dieses Jahr mit Hungerkrisen gerechnet werden müsse. «Wir stehen vor einer neuen Krise, der dritten in fünf Jahren, und sie könnte die schlimmste werden», schreibt NECSI-Präsident Yaneer Bar-Yam. Soziale Proteste seien absehbar.

www.necsi.edu

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