Nr. 31/2012 vom 02.08.2012

Männergärtli, Frauengärtli

Von Susi Stühlinger

Immerhin wird darüber geredet. Dummerweise übers Falsche. Altgedienten Kämpferinnen für die Gleichstellung von Frau und Mann muss sich der Magen umgedreht haben, als in den letzten Wochen ein einzelner Mann der Gleichstellungsarbeit mehr mediales Echo bescherte, als gleichstellungspolitisch wirklich relevanten Ereignissen über Jahre zuteilgeworden war.

Der Eklat um den Rücktritt des Zürcher Männerbeauftragten Markus Theunert zu Beginn der letzten Woche verleiht vor allem jenen Kräften Auftrieb, die die staatliche Gleichstellungsarbeit längst abgeschafft haben wollen. Was die SVP schon lange sagt, schreibt nun auch eine Redaktorin in der «SonntagsZeitung»: «Für eine schlagkräftige Geschlechter- und Familienarbeit braucht es keine staatlichen Gleichstellungsbüros. Verwaltungsstellen ohne Weisungsbefugnis sind zahnlose Tiger.» Vielmehr, so heisst es weiter im Text, sollten sich private Lobbyorganisationen für die Gleichstellung von Mann und Frau engagieren.

Das ist doppelter Unsinn.

Erstens: Was die private Lobbyarbeit so alles zu erreichen vermag, zeigt sich ja schön beim von Markus Theunert präsidierten Verein Männer.ch, der mit seiner pädagogisch motivierten Forderung, pornografische Darbietungen auch Sechzehnjährigen vorführen zu dürfen, die Sache erst ins Rollen gebracht hat. Oder bei lustigen Sätzen auf der eigenen Website wie: «Auch Männer haben vielschichtige sexuelle, erotische und zärtliche Bedürfnisse und Wünsche. Sie wollen Leidenschaft und Zartheit, Kitzel und Vertrautheit, Eroberung und Hingabe.» – Wer solche Sätze produziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nicht wirklich ernst genommen und in seinen ernsthaften Anliegen übergangen wird.

Und zweitens: Die Behauptung, es brauche die staatliche Gleichstellungsarbeit nicht, ist schlicht falsch. Dass dabei Männer mittun, ist absolut wünschenswert – wenn sich denn welche finden. Die Gleichstellungsbehörden tun sich gemäss eigenen Aussagen sehr schwer damit, männliche Mitarbeiter zu finden, und drücken auch mal ein Auge zu, wenn ein Bewerber nicht exakt das Anforderungsprofil für den Job erfüllt.

Mangelndes Engagement kann man Markus Theunert immerhin nicht vorwerfen. Aber es stimmt kaum, dass die weiblichen Gleichstellungsbeauftragten keinen Mann in ihren Kreisen wollten, wie ihnen jetzt von verschiedenen Seiten vorgeworfen wird. Sie wollten einfach nicht diesen. Und nicht diesen einen Lobbyisten, der vor allem seine eigenen Anliegen in den Vordergrund stellt.

Tatsächlich gibt es Bereiche – Teilzeitarbeit, Elternzeit, Arbeitsteilung zu Hause –, wo einiges verbessert werden müsste und Mannes Mitsprache durchaus wertvoll wäre. Und das geschieht auch: In anderen Kantonen gibt es Männer in den Gleichstellungsbüros, die Gleichstellungs- und Familienfragen pragmatisch und ohne Aufhebens nachgehen, im Kanton Aargau war zeitweise ein Mann Koleiter des Gleichstellungsbüros.

Mit der medienwirksamen Anstellung des Männerbeauftragten Theunert hat sich das Zürcher Gleichstellungsbüro ins eigene Fleisch geschnitten. Der Stempel «Männerbeauftragter» entzweit, statt zu einen, zementiert das Bild, wonach es «den Mann» und «die Frau» an und für sich gibt, und drängt das Miteinander und die vielfältigen Bedürfnisse und Herausforderungen für eine bessere Arbeitsteilung in Familie und Beruf ins Abseits.

Es ist noch lange nicht so, wie es sein sollte. Noch immer verdienen Frauen rund zwanzig Prozent weniger als Männer, noch immer sind die Kader vorwiegend männlich, noch immer lastet die Haus- und Familienarbeit mehrheitlich auf den Schultern der Frauen. Besserung ist kaum in Sicht, sei es, weil Männer sich weigern, weniger lange zu arbeiten und dementsprechend weniger zu verdienen, sei es, weil familienfreundliche Strukturen in den Unternehmen fehlen.

Einiges muss getan werden, und dazu braucht es Männer, die sich, ebenso wie Frauen, in der Gleichstellungsarbeit engagieren. Aber bitte pragmatisch statt populistisch. Und zwar beide miteinander statt jede und jeder im eigenen Gärtli.

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