Nr. 46/2012 vom 15.11.2012

Sind doch Handystrahlen schuld?

Von Franziska Meister

Anfang November veröffentlichte die Danish Cancer Society, das Pendant zur Schweizer Krebsliga, beunruhigende Zahlen: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der neu diagnostizierten Glioblastiome, also der bösartigsten Form von Hirntumoren, nahezu verdoppelt. Mittlerweile erkranken jährlich rund 260 DänInnen – mehrheitlich Männer – neu an diesem aggressiven Hirntumor. Ist das der Beweis dafür, dass Handystrahlen eben doch schädlich sind, wie weithin angenommen?

Dänische Ärzte und Wissenschaftler beeilten sich vergangene Woche, gegenüber der Website «Microwave News» zu betonen, sie hätten keine Ahnung, was die Ursache der rasch ansteigenden Hirntumorzahlen sei. Auf eine verbesserte Krebsdiagnostik könnten sie nicht zurückgeführt werden, sagt etwa der Epidemiologe Joachim Schüz, der an der EU-weiten sogenannten Interphone-Studie beteiligt war, die den Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren untersuchte.

Schüz arbeitet auch an einer der weltweit grössten Langzeitstudien zu Handynutzung und Krebs mit, die seit 1995 in Dänemark läuft, und an der sämtliche DänInnen beteiligt sind, die damals mindestens dreissig Jahre alt waren und einen Handyvertrag besassen. 2001 und 2006 hatte die Untersuchung noch kein erhöhtes Krebsrisiko für HandynutzerInnen festgestellt. Schüz und sein Team veröffentlichten die Resultate der aktuellsten statistischen Auswertung 2011 in der Fachzeitschrift «British Medical Journal». Wieder kamen sie zum Schluss, es bestehe kein kausaler Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren.

Daran hält Schüz auch heute noch fest, und er betont, es gebe keinen Grund, die Qualität der dänischen Studie anzuzweifeln. Tatsächlich aber steht die Langzeitstudie aus Dänemark – wie auch die Interphone-Studie – schon länger in der Kritik. Selbst das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz verweist auf verschiedene methodische Schwächen, die die Aussagekraft einschränken.

Joachim Schüz begründete bislang seine Überzeugung, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Handynutzung gebe, mit den gleichbleibenden Zahlen aus den nationalen Krebsregistern. Hält er daran fest, wird er sich wohl einen neuen Grund suchen müssen.

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