Nr. 47/2012 vom 22.11.2012

Vier Grad mit schlimmen Folgen

Von Markus Spörndli

«Die Welt ist auf dem Weg, sich bis Ende des Jahrhunderts um vier Grad Celsius zu erwärmen, und die aktuellen Versprechen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen werden daran nicht viel ändern.» Solch klare Worte äussert die Weltbank unmittelbar vor dem Klimagipfel in Doha, bei dem sich die Welt auf die Nachfolge des Kyoto-Protokolls – das Ende 2012 abläuft und nur Industrieländer einbindet – einigen soll. Ziel ist es, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen.

Der Bericht «Turn Down the Heat», den die Weltbank beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Auftrag gab, beleuchtet den Einfluss des Klimawandels auf die Entwicklungsländer. Tropische und subtropische Weltgegenden wären überproportional von der Erwärmung betroffen und damit auch von den negativen Folgen auf Landwirtschaft, Wasserressourcen und Ökosysteme. Der Meeresspiegel würde in den Weltgegenden, in denen sich die meisten Entwicklungsländer befinden, um bis zu zwanzig Prozent stärker ansteigen als im globalen Durchschnitt. Massive Flüchtlingsbewegungen wären unvermeidlich, was zu schweren Konflikten und zu einer Gefährdung des Welthandelssystems führen könnte.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim sagte Anfang Woche bei der Veröffentlichung des Berichts: «Der Klimawandel ist eine der ganz grossen Herausforderungen für die Entwicklungspolitik, und es ist unsere moralische Pflicht, Massnahmen zu ergreifen für zukünftige Generationen und insbesondere für die Armen.»

Der eindringliche Aufruf rüttelt die viel beschworene Staatengemeinschaft wohl kaum auf. Am Klimagipfel in Doha nächste Woche werden insbesondere die grossen Schwellenländer auf ihrem «Recht» einer energieintensiven Wirtschaftsentwicklung beharren, das die Industrieländer während Jahrzehnten für sich beanspruchten. Vor allem sollte nun auch die Weltbankgruppe ihrem Plädoyer Taten folgen lassen: Derzeit beteiligt sich die Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) etwa in Indien noch immer am Bau gigantischer Kohlekraftwerke.

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