Nr. 50/2012 vom 13.12.2012

Von Landpunks und Rockfans

Von Stephan Pörtner

Der Bassist der Landpunkband Mähdrescher überlegte sich ernsthaft, einen Stilwechsel vorzunehmen. Seit fast dreissig Jahren probte seine Combo nun schon im Keller des stillgelegten Schweinestalls, der seinem Hippiebruder als Hanfplantage diente und gewaltige Gewinne abwarf, während er mit seiner Musik scheiterte. Die meisten Landpunks zogen irgendwann mal in die Stadt oder wurden Rockfans, so dass zu den Konzerten von Mähdrescher noch nie mehr als vierzig Leute gekommen waren. Ausser beim einen Mal, als sie selbst gebrautes Freibier ausschenkten, was Hundertschaften anlockte, die sich aber blöd aufführten, so dass der Schlagzeuger ins Kloster ging und durch eine Holzspaltmaschine ersetzt werden musste.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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