Nr. 50/2012 vom 13.12.2012

Für einsame Herzen

Von Anna Wegelin

Gerade, als wir den Spoken-Word-Band «Liebesgschichte» von Pedro Lenz besprechen wollten, erreichte uns die Nachricht, dass der Schriftsteller und WOZ-Kolumnist als neues Mitglied in den YB-Beirat aufgenommen wurde. Gemäss Medienmitteilung soll er dort als «Bindeglied zwischen dem Club und der Fanbasis» wirken.
Zum Glück kommt der Fussball nur in einer der Liebesgeschichten vor. Und eigentlich geht es dabei gar nicht um den Mannschaftssport. Vielmehr erweist sich Lenz in «Liebesgschichte» erneut als hautnaher Beobachter zwischenmenschlicher Verstrickungen und urmenschlicher Sehnsüchte. Mit jener gesunden Prise (Selbst-)Ironie, die schwere Themen wie Liebe, Freiheit und Schicksal heilsam erdet.
Im «Zug vo Outen uf Gränche» erleben es der Dichter und sein Erzähler: Ein junger Mann macht übers Handy Schluss mit seiner Freundin. Lenz fantasiert sich ins Zimmer der Verschmähten mit Pferdeposter über dem Bett. Er schaut in die Seele des Burschen, der frisch ab der Lehre nach der grossen weiten Welt trachtet. Gerade, als er dem Mädel klarmachen will, dass jetzt endgültig Schluss sei, galoppieren die Rösser ihres Posters neben dem Zug her und mahnen ihn zu Geduld und Nachsicht. Er wird weich. Doch da schaltet sich der Spiritus Rector ein beziehungsweise das Handy aus – und Schluss damit.
In «Liebesgschichte» erzählt der Autor auch von sich und seinen Nöten, wie er sie zum Beispiel als 17-Jähriger hatte: «Mager wi nes Natürjoghurt und d Stirne vou Bibeli und es Säubschtbewusstsii wi ne verchlemmte Zwärghamschter». Er erinnert sich an seine Kindheit in Langenthal und stellt erstaunt fest: «Es git ke Bruch i mim Läbe.»
«Liebesgschichte» gehört in den Weihnachtsgeschenkekorb aller einsamen, unglücklich verliebten, schüchternen und sich selbst bemitleidenden Menschen.
Am Samstag, 15. Dezember 2012, feiert die Dramatisierung von Pedro Lenz’ Erzählung 
«Der Goalie bin ig» Premiere in Bern-Liebefeld.

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