Nr. 36/2018 vom 06.09.2018

Wägem Room

Das Radiostudio Bern soll in einen neuen Newsroom in Zürich integriert werden. Eine Ansprache von Schriftsteller Pedro Lenz zur tieferen Bedeutung solcher Rooms.

Von Pedro Lenz

Ruum heisst uf Änglisch Room.
Ds erschten änglische Wort,
wos i mim Dorf z läse het gä,
isch «Tea-Room» gsi.

«Es» Tea-Room, hei mer gseit,
mit sächlechem Artiku:
«Mir gö i ds Tea-Room.»

Ungerdesse
si mer gschider worde,
mir sägen am Tea-Room
zwar gäng no ds Tea-Room,
aber der News-Room,
dä isch männlech,
niemer seit hütt «ds» News-Room.

Der News-Room isch
ds Tea-Room vo de News.

Und wöu men aanimmt,
dass d Frölein Tee trinke
und d Manne News mache,
isch der News-Room männlech
und ds Tea-Room sächlech.

Und so wi mit em Tee
i de Tea-Room
vo mire Chindheit
wird mit de News Handu tribe,
wi der Tee im ne Tea-Room
wärde d News im News-Room
i Portione serviert,
ufgchochet, erhitzt und zuckeret,
me loht se gärn chli lo zieh,
d News und der Tee,
dass si meh Goût überchöme
und ihri Würkig besser entfaute.

Ds Tea-Room isch e Mode gsi
wi der News-Room e Moden isch,
hütt wott niemer meh i nes Tea-Room,
i zäh Johr wott de vermuetlech
ke Mönsch meh
i so ne News-Room.

Aber mir heis scho erwähnt,
Room heisst bi üs Ruum,
und der Ruum, auso di rümlechi Dimänsion
isch usgsproche wichtig,
im Journalismus wie im Läbe
geits um Ruum.

Es isch fasch aues e Frog
vo Nööchi und Dischtanz,
mängisch bruuchts Dischtanz,
und mängisch
muess me nöcher häre.

Mängisch bruuchts diräkti Wäge,
und mängisch bruuchts Umwäge.

Aber im ne News-Room
muess me sech nümm aanöchere,
muess me nümm nöcher häre,
wöu me jo de scho dörten isch,
aui Content-Collecter,
wo nigunagunöii News generiere,
hocke im News-Room scho schön
a eim Huufe zäme.

Nei, im ne News-Room
muess me sech nümm aanöchere,
muess me nümm nöcher häre,
wöu aui News scho
im News-Room iinne si,
aus scho importiert isch,
gstreamt und beamt,
TV, Website, Radio, Podcast,
Tegscht und Büud
und Ton und Füum
wird aus belieferet,
aues zum gliichen Ort,
aues vom gliichen Ort,
zitgliich, zitnöch, zitgemäss,
grad ir hüttige Zit, wos glii
kener Zitige meh bruucht,
wo d Zitige z Bode gö,
muess der Räscht vom Journalismus
uf der Höchi vor Zit blibe.
D News-Production,
der News-Room-Output
der Event-Content,
People-Content,
Facebook-Content,
Instagram-Content,
Trash-Flasch-Splash-Content,
aues uf technisch höchem
und zwüschemönschlech nöchem
Niveau,
praktisch, zentrau, günschtig,
effiziänt, schnäu, aktuell, sexy,
churz, fräch, prägnant, charmant,
aber vor auem zentrau,
zentrau, zentrau, auso
vom Zäntrum us,
ohni Näbegrüüsch,
ohni Näbeschouplätz,
ohni Näbetheme,
ohni Näbestudios i Näbegägende
vo Näberegione und Näbestädt
wi däm provinzielle Bärn,
wo fasch scho bi de Wäutsche,
wo sowieso ineffiziänt
und es bitzeli langsam, das Bärn.

He mou, do das Bärn,
wo, wi me weiss,
rächt ineffiziänte Züg
dasume schliicht,
wi d Aare zum Bischpüu,
wo so ums Gjätt ume mäanderet
statt mou chli ziiugrichtet.

Aber nei,
überau i däm Bärn steit
rächt unräntable Züg dasume,
Züg, wo ke Rändite
und ke Dividände,
so Verwautigszüg überau
wi do das Bundeshuus,
wo nume choschtet,
wo der Stüürzahler und
der Nettozahler und
zletscht irgendwie ou
der Gebührezahler belaschtet,
so nes Bundeshuus,
wo me glägentlech ou mou
sött zuetue und zäntralisiere,
i ne News-Room chöönnt integriere,
sodass me vilecht ds Regiere
mit em Newsgeneriere
grad chönnt zämefüehre,
was wiederum schnöuer wär
und nöcher, effiziänter,
effekttiver, günschtiger
und weniger müehsam.

D Vorteile si abzwägen und klar,
Journalismus wärs irgendwie ou,
wenn me persönlech häre gieng,
wenn me vom Schribtisch wäg
zu de Mönsche gieng go luege,
rede statt tschätte,
luege statt füume,
zuelose statt streame.

Aber d Journalischte gö jo use,
für das gits jo süsch scho
«SRF bi de Lüt» und au di Schiirenne,
wo me duss isch,
wo me vor Ort isch,
im Land, uf em Land
a de Schwing- und Chäferfescht,
bi Katastrophe, Überschwemmige
und Muurgäng live vor Ort,
aber aus angere
cha me hütt grad so guet zentrau,
wöu dezentrau choschtet,
Bärn choschtet,
oder wi d Betriebswirte vo Sanggaue
bis Züri säge:

«Für Ruhm und Ehre,
ein News-Room
und ansonsten Leere.»

Diese Rede hielt Pedro Lenz am 30. August an einer Kundgebung für das Radiostudio Bern auf dem Bundesplatz. Lenz gehört auch zum AutorInnenteam der «Morgengeschichten» auf SRF 1. Sie sind gesammelt unter dem Titel «Radio» bei der Edition Spoken Script erschienen.

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