Nr. 10/2013 vom 07.03.2013

«Dann wären es keine Einzelkämpferinnen mehr»

Neue Diskussionen über Frauenquoten, Kontroversen über Sexismus: Geschlechterverhältnisse sind ein Thema wie schon lange nicht mehr. Die WOZ hat mit vier ganz unterschiedlichen Frauen gesprochen: Was erleben sie als Frauen in ihrem Alltag? Wie organisieren sie bezahlte und unbezahlte Arbeit? Und wie stehen sie zur Quotenfrage?

Aufgezeichnet von Bettina Dyttrich und Susan Boos, Fotos von Ursula Häne

Najwa Sayedah, 48, Wäschereiangestellte

«Beide sind müde. Beide müssen helfen!»

Aufgezeichnet von Bettina Dyttrich

Bevor ich meinen Mann kennenlernte, wusste ich wenig über Politik. Er hat mir vieles erklärt, und ich trat dann auch in die Kommunistische Partei ein. Der 8. März war immer ein Fest, oft machten wir einen Ausflug, gingen grillieren, Frauen und Männer gemeinsam. Die Männer schenkten den Frauen Blumen. Damals feierten in Damaskus alle, aber die Kommunistische Partei feierte noch ein bisschen mehr.

Ich bin Palästinenserin, aber in Damaskus aufgewachsen. Meine Familie musste 1948 aus Palästina fliehen. Auch mein Mann ist Palästinenser. Weil er politisch aktiv war, bekam er Schwierigkeiten mit dem syrischen Staat. Darum flüchtete er vor zwanzig Jahren in die Schweiz. Ich konnte ein Jahr später nachkommen, aber unsere beiden Söhne musste ich bei einer Tante lassen. Ein Jahr ohne Kinder, das war sehr hart. Dann durften die beiden auch einreisen. Sie waren erst sieben und zehn. Bis wir alle Papiere hatten, dauerte es sieben Jahre.

Zuerst arbeitete ich ein Jahr lang in einem Restaurant, dann im McDonald’s, später in einer Jugendherberge. Jetzt bin ich schon seit zwölf Jahren in der Wäscherei einer Privatschule, von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr abends.

Auch in der Schweiz sind Frauen noch nicht überall gleichberechtigt. Sie verdienen immer noch weniger als Männer. Aber sie haben doch viel mehr Freiheit als bei uns, vor allem geschiedene Frauen. In Syrien kommen die Kinder nach einer Scheidung zum Mann, die Frau muss zurück zu ihrer Familie. Wenn sie allein wohnt, gibt es ein Gerede. Und auch die Familie geht nicht gut mit ihr um, setzt sie unter Druck. Darum versuchen viele geschiedene Frauen, schnell wieder zu heiraten. Aber auch dann dürfen sie die Kinder aus erster Ehe nicht zu sich nehmen.

Klar, im Vergleich zu Saudi-Arabien oder Kuwait ist die Situation der Frauen in Syrien relativ gut. Viele sind berufstätig: Es gibt Ärztinnen, Anwältinnen und Richterinnen. Vor vier Jahren war ich das letzte Mal in Damaskus. Frauen gingen in die Stadt, auch mitten in der Nacht, zu dritt oder zu viert.

Ich glaube, es dauert noch lange, bis Syrien demokratisch wird. Das kommt nicht von heute auf morgen. Auch in der Schweiz hat es ein paar Hundert Jahre gedauert. Frauenquoten fände ich gut: Es braucht auch Frauen in der Wirtschaft und in der Politik. Nicht nur Männer, Männer überall.

Inzwischen bin ich Schweizerin – trotz meines gebrochenen Deutschs. Ich musste sofort arbeiten gehen, als ich in die Schweiz kam, und bei der Arbeit waren auch lauter Ausländer. Darum habe ich die Sprache falsch gelernt – das bleibt im Kopf und geht nicht mehr weg. Und die Grammatik auf Arabisch habe ich leider auch vergessen.

Ich könnte immer noch einen Deutschkurs besuchen, aber nach der Arbeit bin ich zu müde. Ich gehe dann zu meinem Mann, der ein Café mit Laden führt. Leider reicht sein Betrieb nicht für uns beide zum Leben. Jetzt unterstützen wir beide auch unsere Familien. Die haben ja jetzt keine Arbeit. Meine Mutter ist mit einer Tante in den Libanon geflohen. Bei uns besteht die Familie nicht nur aus Vater, Mutter und Kindern. Auch Cousins, Cousinen, Tanten, Nichten, Neffen gehören dazu. Sie besuchen sich oft und helfen einander. Das fehlt mir in der Schweiz.

In Syrien kümmern sich meistens die Frauen um den Haushalt und die Kinder. Aber seit wir in der Schweiz sind, habe ich den Haushalt immer zusammen mit meinem Mann gemacht. Weil wir auch immer beide erwerbstätig waren. Nachher sind beide müde, also müssen beide helfen!

Judit Vetter, 30, Velokurierin

«Sie sehen gar nicht, dass ich eine Frau bin»

Aufgezeichnet von Bettina Dyttrich

Ich lande in meinem Leben immer wieder in Situationen, in denen ich eine von wenigen Frauen bin: auf dem Bau, wo ich früher als Malerin gearbeitet habe, beim Fussballspielen oder als Velokurierin. Ich habe auch schon als einzige Frau in Männerteams gearbeitet, zum Beispiel beim Aufbau eines Skateparks. Das stört mich nicht sehr – aber ich fände es schön, wenn ein paar Frauen mehr da wären. Auch wenn ich an ein Punkkonzert gehe, wäre mir wohler, wenn es zumindest ein Drittel Frauen im Publikum gäbe.

Heute arbeite ich als Schriften- und Reklamegestalterin in einem Kleinbetrieb und als Velokurierin. Und ich betreibe das Velonom in Zürich Altstetten mit, eine selbstverwaltete Velowerkstatt im ABS, einem besetzten Areal. Wir haben tonnenweise kaputte Velos dort und helfen den Leuten beim Flicken.

Die Arbeit als Velokurierin ist streng, vor allem wenn es kalt ist, aber man gewöhnt sich dran. Den Verkehr finde ich in Zürich nicht so schlimm. Ich bin zwar auch schon zweimal angefahren worden, aber zum Glück nicht verletzt. Beim Veloblitz arbeiten etwa zehn Frauen und fünfzig Männer. Da fallen auch viele doofe Sprüche, und ich habe nicht immer die Energie dagegenzuhalten. Ich glaube, ich fokussiere einfach stark auf das Positive.

Wenn ich etwas abliefere, nehmen viele gar nicht wahr, dass ich eine Frau bin. Ich bin einfach «der Kurier». Ich weiss nicht, ob es die Kleider sind, ob es die Gesten sind, ob es der Haarschnitt ist, ob sie sich nicht getrauen, genau hinzuschauen – oder ob sie es einfach nicht gewohnt sind, dass eine Frau so aussieht wie ich. Das passiert mir oft, obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass ich mich speziell maskulin verhalte. Manchmal finde ich es lustig, manchmal lästig, manchmal extrem nervig. Es kommt auf die Situation an, ob ich es ignoriere oder kommentiere. Vielleicht profitiere ich manchmal auch davon – ich sehe jedenfalls, dass Frauen, die sich sehr feminin präsentieren, in andere Situationen kommen als ich. Ihr Aussehen wird kommentiert, sie werden öfter auf das Äussere reduziert.

Als Kind war ich immer mit Buben unterwegs und spielte Fussball. Manchmal hänselten sie mich, ich wolle ja ein Bub sein. Aber die Frage, welchem Geschlecht ich angehöre, war für mich gar nicht so wichtig, glaube ich. Ich wollte einfach zu dieser Gruppe gehören, in der ich mich wohlfühlte. Ich bin recht frei aufgewachsen. Ich fühlte mich in der Rolle des klassischen Mädchens nicht wohl, aber wahrscheinlich auch nicht in der Rolle des klassischen Buben. Man liess mich machen. Und ich fühle mich auch heute nicht in eine Rolle gedrängt. Niemand erwartet, dass ich einen Mann heirate und eine Familie habe.

Wenn Männer merken, dass ich nicht auf Männer stehe, verändert sich ihr Verhalten sofort. Sie machen dann auf Kumpel. Ich weiss ja nicht, was in ihren Köpfen passiert, aber sie scheinen das Gefühl zu haben, ich sei auf ihrer Seite, weil ich Frauen gernhabe. Für mich hat das aber nichts miteinander zu tun.

Ich weiss nicht, ob die Auseinandersetzungen über Hausarbeit bei Frauen- oder Männerpaaren anders ablaufen als bei Heteropaaren. Ich habe immer in WGs gewohnt, nie zu zweit mit einer Freundin. Sicher gibt es auch in Frauenbeziehungen Machtgefälle. Genauso wie in selbstverwalteten Projekten. Ich glaube, dass es nicht gut ist, wenn das Gefälle zu gross ist. Aber ich glaube auch nicht, dass totale Gleichheit möglich ist. Es geht darum, wie wir mit dieser Dynamik umgehen. Entscheidend ist, dass man sie nicht auf Kosten der anderen Person ausnutzt.

Ich glaube, Quoten allein wären nicht die Lösung. Wir müssten bei der Struktur der Gesellschaft anfangen: Welche Möglichkeiten geben wir wem? Wenn wir eine Frauenquote auf Kaderjobs einführen würden, wäre ich trotzdem nicht auf einmal karriereorientiert und würde ins Bankgeschäft einsteigen. Ich arbeite freiwillig in Teilzeitjobs und habe wahrscheinlich auch Glück gehabt mit meinen bisherigen Stellen. Überhaupt habe ich viel Glück, weil ich mein Leben gestalten kann, wie ich möchte. Aber der Veloblitz mit gleich vielen Frauen wie Männern: Das würde mir gefallen.

Monika Rissanen, 62, Informatikerin

«Er konnte nicht glauben, dass eine Frau gut sein kann»

Aufgezeichnet von Susan Boos

Es gibt keinen Unterschied zwischen Mädchen und Buben – mit diesem Selbstverständnis bin ich aufgewachsen. In meiner Maturaklasse waren 25 Mädchen und nur 5 Knaben. Das war in den sechziger Jahren, schon damals hatten Frauen in Finnland die bessere Ausbildung als Männer, sind, was die Karriere angeht, dann aber zurückgefallen.

Ich kam 1971 in die Schweiz, kurz nachdem das Frauenstimmrecht eingeführt worden war. Vorher wäre ich nicht in die Schweiz gereist. Wir hatten in der Schule intensiv darüber diskutiert, wie es möglich ist, dass man den Frauen so lange das Stimmrecht vorenthält. Finnland war 1906 nach Australien das zweite Land der Welt, das das Frauenwahlrecht eingeführt hat.

Am Anfang habe ich im St. Galler Kantonsspital gejobbt. Zu jener Zeit hatte ich nicht viel Geld. Einmal die Woche konnte ich mir ein Bier leisten und bin in eine der Szenebeizen gegangen. Ich wollte mein Bier nicht alleine trinken und habe mich zu fremden Leuten an den Tisch gesetzt. Ich hatte Liebeskummer und wollte sicher keine Liaison – zudem war ich jung und hübsch und gewohnt, die Männer auf Distanz zu halten. Jahre später hat mir dann aber ein Freund gesagt, ich hätte als «männertolles Mädchen» gegolten. Da habe ich schon sehr gestaunt! In Finnland wäre niemand auf eine solche Idee gekommen, da konnte man sich als Frau frei bewegen. Seither setze ich mich in der Schweiz nie mehr zu fremden Männern an einen Tisch (lacht).

Eigentlich wollte ich noch studieren. Doch dann sah ich in der Zeitung ein Inserat, in dem die Kantonalbank einen «Maturanden» – explizit männlich – suchte, der sich zum Informatiker ausbilden lassen wollte. Ich meldete mich und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dem Personalchef sagte ich, ich sei zwar kein Mann, aber ich könne ausser einer einzigen Sache alles, was ein Mann könne – ich ginge aber davon aus, dass ich diese eine Sache am Arbeitsplatz nicht brauchen würde.

Der Personalchef machte zweimal einen Intelligenztest mit mir. Vermutlich konnte er nicht glauben, dass eine Frau technisch so gut sein kann wie ein Mann. Ich hab die Stelle aber bekommen. Es war eine tolle Ausbildung – ich habe immer wieder versucht, Frauen dafür zu motivieren, hatte aber wenig Erfolg. Bis Mitte der neunziger Jahre war ich die einzige Frau in der Informatikabteilung. Sie hätten sofort mehr Frauen eingestellt, doch die Frauen trauten es sich offenbar zu wenig zu.

Eine Quote wäre als Übergangslösung sicher hilfreich. In Finnland gibt es keine Quotenregelung, auch wenn man immer darüber redet. In der Regierung sitzen jedoch bereits neun Frauen, neben zehn Männern. Früher war das Aussehen der Politikerinnen ein Thema. Das ist längst nicht mehr so. Ob eine Ministerin klein und dick ist, interessiert keinen mehr.

Vermutlich ist Finnland wegen des Zweiten Weltkriegs in der Frauenfrage fortschrittlich. Die Männer waren an der Front, die Frauen mussten den Alltag organisieren. Als der Krieg vorbei war, gingen sie nicht zurück an den Herd.

Die Kinderbetreuung ist besser organisiert als in der Schweiz. Jedes Kind hat in Finnland Anspruch auf eine ausserhäusliche Betreuung. Das war aber nicht immer so: In den siebziger Jahren bemerkte man, dass die Finninnen keine Kinder mehr bekommen. Sie hatten eine gute Ausbildung und wollten dies nicht einfach preisgeben, um sich nur um Kind und Haushalt zu kümmern, also hat man die Kinderbetreuung ausgebaut. Jede Frau hat zudem Anspruch auf etwa ein Jahr bezahlten Mutterschaftsurlaub, danach kann sie weitere zwei Jahre zu Hause bleiben, und ihr Arbeitsplatz bleibt garantiert.

Ich denke aber, die Befreiung der Frauen muss von den Frauen selber kommen. Die Frauen müssen das Bedürfnis haben, selber Meisterinnen ihres Lebens zu sein.

Die Schweizerinnen, die ich in den siebziger Jahren kennenlernte, konnten oft nicht lernen, was sie wollten. Es hiess: Die heiraten ohnehin, da reicht es, wenn sie eine zweijährige Bürolehre machen. Das Land war so reich, deshalb hat das funktioniert. In Finnland war das nie so, da mussten die Frauen stets mitverdienen, um einen anständigen Lebensstandard zu garantieren.

Ruth Ammann, 35, Historikerin

«Ich müsste mich verbiegen»

Aufgezeichnet von Bettina Dyttrich

Wenn ich mir vorstelle, es gäbe eine Frauenquote an der Uni Bern, gleich viele Professorinnen wie Professoren – ja, das hätte für mich etwas bedeutet. Ich hätte anders studiert. Die Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit interessiert mich sehr, aber das ist in Bern eine totale Männerdomäne. Das hat mich abgeschreckt. Mir war es wichtig, bei Professorinnen zu studieren, ich erhoffte mir davon eine bessere Unterstützung und eine andere Art zu diskutieren. Und ich glaube, mein Eindruck stimmte. Ich besuchte auch viele Vorlesungen von Männern, wurde aber vor allem von Frauen gefördert. So bin ich bei klassischen Frauenthemen gelandet: Die Liz-Arbeit habe ich über die Lesbenbewegung in den siebziger Jahren gemacht, jetzt schreibe ich eine Dissertation über Clara Ragaz und Dora Staudinger, zwei Frauen, die vor hundert Jahren in der religiös-sozialen Bewegung in Zürich aktiv waren.

Dora Staudinger hat sich für sozialen und genossenschaftlichen Wohnungsbau eingesetzt, Clara Ragaz war in der Friedensbewegung aktiv und forderte das Ende der reglementierten Prostitution. Frauen, die sich prostituierten, wurden damals vom Staat registriert und mussten sich regelmässig ärztlichen Zwangskontrollen unterziehen. Sie durften sich auch nicht frei in der Stadt bewegen. Die Reglementierung war ein Zynismus. Ähnlich wie heute die «Verrichtungsboxen», die ich auch extrem zynisch finde.

Wie kamen Ragaz und Staudinger dazu, sich so selbstverständlich politisch und sozial zu engagieren? Diese Frage interessiert mich. Es war ja damals nicht vorgesehen. Wir haben das Frauenstimmrecht und gewisse ökonomische Freiheiten, ein Ehegesetz, das anders funktioniert. Trotzdem scheint es für Frauen heute weniger selbstverständlich, sich zu engagieren.

So, wie der Unibetrieb heute läuft, könnte ich mir nicht vorstellen, Professorin zu werden. Ich müsste mich verbiegen in diesem Marsch durch die Institutionen. Und ich weiss nicht, ob ich nachher eine gute Professorin wäre – ob die Verhärtungen, die ich auf diesem Marsch entwickeln würde, wirklich förderlich wären. Gegen Ende des Studiums spürte ich, wie das Konkurrenzdenken unter den Frauen zunahm, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigten wie ich. Es gibt halt nicht unendlich viele Jobs in diesem Bereich. Jetzt unter den Doktorierenden ist das noch stärker.

Dieses Einzelkämpferinnendasein macht die Leute kaputt, es macht die Ideen kaputt, und es macht kaputte Arbeit. Ich müsste so viele Eigenschaften an den Tag legen und Kompromisse eingehen, die Werten widersprechen, die mir wichtig sind. Das hat sicher damit zu tun, wie ich sozialisiert worden bin: als Frau und als Älteste von drei Kindern. Da lernt man halt, auf die anderen zu schauen, bevor man sich selber etwas nimmt. Das ist ja auch etwas sehr Positives, aber es widerspricht der Konkurrenzfähigkeit, der Zielstrebigkeit, die ich entwickeln müsste, um «vorwärtszukommen» …

Mir ist es zum Beispiel extrem wichtig, wie Prozesse funktionieren. Was braucht es, damit eine Gruppe funktioniert oder damit Ideen umgesetzt werden können? Das ist mir wichtiger als der Output am Schluss. Im Kontext der Uni wirst du aber nach deinem Output beurteilt: Wie viel hast du publiziert? Und nicht nach der Prozessorientierung. Die misst niemand.

Wenn wir jetzt aber auf einen Schlag die Hälfte der Stellen an der Uni mit Frauen besetzen müssten, würde sich vielleicht etwas ändern. Rein durch die Masse. Dann wären es keine Einzelkämpferinnen mehr, dann gäbe es vielleicht Professorinnen, die sich Freiheiten nähmen und sich zusammenschliessen würden zu Debattiergruppen, die den Unialltag verändern würden. Dann ginge es wieder um die Diskussion, nicht ums Sammeln von ECTS-Punkten.

Mein Freund ist Geologe und arbeitet in einem Postdoc-Programm an der Uni. Wir haben eine fünfjährige Tochter, Martha. Wir teilen uns Haus- und Familienarbeit. Er hat einen Tag mit Martha und ich einen, er macht die Wäsche, ich koche mehr unter der Woche, er mehr am Wochenende. Aber es geht nur auf, weil Martha in die Tagesschule gehen kann und weil seit kurzem alle zwei Wochen eine Frau putzen kommt. Von der Firma Fairness at Work, die sehr gute Löhne und Sozialleistungen zahlt. So kann ich es mit meinen Vorstellungen vereinbaren, eine Putzhilfe zu haben. Und wir können es uns jetzt leisten, weil die Tagesschule stark subventioniert wird.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch