Nr. 12/2013 vom 21.03.2013

Dracula und das linke Gesindel

Von Helen Brügger

Als Lehrer scheint er beliebt zu sein. Zumindest bei jenen, die sich mit ihrem Lehrer gerne über schwächere MitschülerInnen lustig machen. Weniger beliebt ist er bei SchriftstellerInnen, die er als «600 Pinguine, die nicht schreiben können» bezeichnete, weil diese ihn nicht in ihren Verband aufnahmen. Nun möchte der frischgewählte Walliser Staatsrat und langjährige SVP-Nationalrat Oskar Freysinger ausgerechnet Erziehungs- und Kulturminister werden.

Im Wahlkampf hat Freysinger einen Haufen von Kreide gefressen und Berge von Stroh gedroschen. Er hat seine Videowahlclips mit sanfter Musik untermalt, hat einen Videoclip von Rapper Sig Sauer instrumentalisiert, der den dunkelhäutigen Sänger in einer beunruhigenden Detailaufnahme seines Gesichts zeigt, gefolgt vom hellhäutigen Helden mit warnend erhobenem Zeigefinger: unser Mann als Retter vor der düsteren Horde.

Die SchülerInnen will Freysinger ebenfalls retten. Vor behinderten Mitschülern, die speziell gefördert werden müssten, bevor sie in die Regelschule aufgenommen werden. Vor Sans-Papiers-Mitschülerinnen, die er bereit ist zu denunzieren. Vor Sexualkundeunterricht in der Primarschule. Vor der «Funktionärisierung» und «Bürokratisierung» der LehrerInnen. O-Ton Freysinger: «In den Lehrerzimmern ist meistens ziemlich linkes Gesindel am Werk.» Dass ein Kind mit zwei Müttern oder zwei Vätern aufwachsen könnte, ist für ihn ein verachtenswertes «soziales Experiment»; aber er sieht nichts Negatives darin, wenn Asylbewerberfamilien auseinandergerissen werden.

Dem Walliser «Volch» spricht Freysinger stets direkt aus dem Herzen. «Einmischung in unsere Souveränität», donnert er, wenn die Zweitwohnungsinitiative angenommen, im Wallis aber abgelehnt wird. Ebenso beim Raumplanungsgesetz: Seit das Wallis es als einziger Kanton abgelehnt hat, gibt es einen eigenen Walliser Pass mit Walliser Sternen. Das Liebäugeln mit der Loslösung von der Schweiz ist mehr als ein Scherz – es ist ein gefundenes Fressen für den Populisten. Denn wer möchte sich nicht hinter ihn scharen, wenn er mit einem Charme, der an Draculas Lächeln erinnert, versichert, «Bern» könne gar nichts gegen das Wallis unternehmen, ausser «sie schickten die Armee»?

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