Nr. 16/2013 vom 18.04.2013

Rockmusik als Kunst

Von Martin Schäfer

Paul Williams war 1966 als Gründer der US-amerikanischen Musikzeitschrift «Crawdaddy» (noch vor Greil Marcus mit dem «Rolling Stone») der eigentliche Gründervater der modernen Rockkritik: der Erste, der sich traute, über Rock als Kunst zu schreiben. Als Nachlassverwalter von Philip K. Dick spielte er auch eine zentrale Rolle für die Wiederentdeckung dieses wichtigsten US-amerikanischen Science-Fiction-Autors. Er publizierte 1986 mit «Only Apparently Real: the World of Philip K. Dick» eine der ersten Biografien über den Autor.

Mit dem Buch «Bob Dylan – What Happened?» reagierte er 1979 kritisch auf dessen Wendung zur christlichen Gospelmusik – und fand damit sogar bei Dylan selber Anerkennung. In den drei Bänden von «Bob Dylan – Performing Artist» (ab 1990), die im Palmyra-Verlag in Heidelberg als «Like a Rolling Stone», «Forever Young» und «Mind Out of Time» auf Deutsch erschienen, hat Williams eine der ersten und besten Darstellungen von Dylans Gesamtwerk bis 2001 vorgelegt. Weitere Schwerpunkte in seinem Werk sind Neil Young und Brian Wilson von den Beach Boys. Seit einem Velounfall 1995 war er allerdings schwer behindert; am 27. März ist er mit 64 Jahren im kalifornischen Encinitas gestorben.

Die Dylan-Welt verdankt Williams viel – nicht zuletzt die grandiose Version von «Caribbean Wind», die Dylan 1980 in San Francisco auf Wunsch von Williams zum ersten und einzigen Mal live gesungen hat. Auf ihrem Blog erinnert Singer-Songwriterin Cindy Lee Berryhill auf bewegende Weise an ihren Ehemann.

http://cindyleeberryhill.blogspot.ch

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