Kommentar : Wolff und die CVP Innerrhoden

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Lächelnder Sieger: Richard Wolff. Foto: Ursula Häne

Die Resultate der Zürcher Stadtkreise jagten sich, mal lag er vorne, mal zurück. Am Schluss waren es 685 Stimmen Vorsprung, und Richard Wolff fuhr mit einer Velorikscha vor dem Stadthaus vor. Die Bürgerlichen zeigten sich schockiert über die Wahl des Alternativen in die Regierung, malten sich bereits den Untergang der Wirtschaftsmetropole aus. Das ist eine arrogante Frechheit. Mit Wolff wurde vielmehr ein ausgewiesener Stadtforscher gewählt, der um die Bedeutung des gemeinnützigen Wohnungsbaus, des Langsamverkehrs und der Subkultur weiss. Eine gute Wahl im überteuerten Zürich.

In den Kommentaren ist nun die Rede von der Niederlage der FDP, die innerhalb kurzer Zeit zwei ihrer Sitze verloren hat, sodass die vereinigte Linke nun sieben von neun Sitzen hält. Doch taktisch ebenso verloren hat die SP. Zweimal konnte sich die Partei nicht zur Unterstützung von Wolff durchringen. Stadtrat Martin Waser kündigte noch im Wahlkampf seinen Rücktritt auf 2014 an, die eigene Personalplanung sollte routinemässig durchgezogen werden.

Die SP der Stadt Zürich wirkt wie die CVP Appenzell Innerrhoden: nur auf die Sicherung der eigenen Macht und lukrativer Jobs aus. Beispielhaft dafür die Kolumnen von Exparteichef Koni Loepfe in der eigenen Zeitung «P.S.»: Im Januar verspürte er «keine Lust», sich zu Wolff zu äussern, im März, nach dem ersten Wahlgang, attestierte er ihm einen «beherzten Auftritt», im April hielt er fest, FDP-Mann Marco Camin sei jetzt die «sicherere Wahl».

Dabei könnte gerade die Zürcher SP von Wolff lernen, wie man heute Wahlkampf macht: Er setzte klar auf inhaltliche Themen, war ständig auf der Strasse präsent, finanzierte seine Plakate und Inserate durch Crowdfunding. Und die Alternativen agierten als Kollektiv. Wolff gelang es, selbst in den SVP-Hochburgen zu punkten: Im Kreis 11 – Oerlikon, Seebach, Affoltern – konnte er im zweiten Wahlgang bei etwas tieferer Wahlbeteiligung rund 900 Stimmen zulegen, während Camin fast stagnierte. Wolffs Erfolg zeigt auch dies: wie die Linke in den scheinbar an die SVP verlorenen Quartieren wieder gewinnen kann.