Ausserdem : 1:12-Initiative: Zeit ist Geld

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Nicht im September, sondern erst am 24. November kommt die 1:12-Initiative der Juso zur Abstimmung. Das hat der Bundesrat letzte Woche entschieden, weil es «für die wichtige Diskussion über die Initiative etwas mehr Zeit braucht». Die Juso reagiert erzürnt: «Dass sich der Bundesrat nach den Wünschen der Economiesuisse und des Gewerbeverbands richtet, ist ein übles taktisches Spiel», meint Präsident David Roth. Die Regierung habe nichts gelernt aus der Abzockerabstimmung, die auch mehrmals verzögert wurde. «Die kurzfristige Verschiebung ist aktive Behinderung der Demokratie.»

Tatsächlich sind die WirtschaftschefInnen nervös: Das zeigte sich zuletzt, als Glencore-Chefhändler Ivan Glasenberg mit dem Wegzug aus der Schweiz drohte. Bei einer Annahme würde der Rohstoffkonzern «die besten Talente» verlieren. Talentiert ist Glasenberg selbst vor allem in der Geldvermehrung: Auf sechs Milliarden Franken wird sein Vermögen geschätzt. Geld bedeute ihm allerdings nicht viel, philosophierte er in der «SonntagsZeitung»: «Es verhilft zu einer gewissen Sicherheit in der Familie.» Letztlich mache es «keine Differenz, ob Ihr Vermögen eine Milliarde beträgt oder sechs».

Da hat Glasenberg natürlich recht: Die Differenz zwischen ihm und den allermeisten Beschäftigten besteht darin, dass die niemals auf ein Vermögen von einer Milliarde kommen können. Und vielleicht ist das die Chance der Juso: Statt sich über den nervösen Umgang mit ihrer Initiative zu empören, sollten sie sich freuen. Gegen die äusserst teure Kampagne ihrer GegnerInnen hilft nur das direkte Gespräch mit der Bevölkerung. Um sie zu überzeugen, dass 1:12 ihren Interessen dient. Für eine Grassrootbewegung ist Zeit Geld.

P S: Am 22. September 2013 findet trotzdem eine wichtige Abstimmung statt: über die Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops. Sie spielt am anderen Ende dieser Wirtschaft. Die VerkäuferInnen sind Tieflöhnen, Scheinselbstständigkeit und Überfällen ausgesetzt. Ein Nein zur Nachtarbeit bedeutet für sie, um es mit Glasenberg zu sagen, eine «gewisse Sicherheit in der Familie».