Nr. 23/2013 vom 06.06.2013

Mysteriöse Freisetzung von Monsanto-Weizen

Von Sonja Wenger

Etwas konnte mit dem fremden Weizen, der zwischen seinem eigenen wuchs, nicht stimmen: Das wurde einem Bauern aus dem US-Staat Oregon erst bewusst, nachdem er das hochgiftige Herbizid Roundup darübergeschüttet hatte – und dies den Pflanzen nichts auszumachen schien. Mehrere Tests in verschiedenen Labors der Universität von Oregon zeigten dann Ende Mai, weshalb das so war. Die DNA des fremden Weizens war gentechnisch verändert (GM) und resistent gegen Glyphosat, den Hauptbestandteil von Roundup. Dieses Herbizid stammt vom US-Gentechkonzern Monsanto und wird meist zusammen mit GM-Saatgut aus demselben Haus eingesetzt.

Dass in den USA in grossem Stil GM-Varianten von Soja, Mais oder Baumwolle angebaut werden, ist nichts Neues. Die Aussaat von GM-Weizen ist jedoch nicht erlaubt. Die letzten Anbautests von Monsanto mit der Marke Roundup Ready in verschiedenen US-Staaten endeten 2005, in Oregon bereits 2001, und sämtliche Testpflanzen sind damals verbrannt, die Überreste tief vergraben worden. Umso erstaunter zeigen sich WissenschaftlerInnen über den Fund in Oregon. Es sei ein «Mysterium», woher der GM-Weizen stammen könne. Ob es davon noch mehr geben könnte, untersuchen nun ExpertInnen des Landwirtschaftsministeriums.

Monsanto versucht derweil, die Funde herunterzuspielen, und will erst seine eigenen Tests machen. Es gebe «bedeutende Gründe zu glauben, dass das Vorhandensein von Roundup-Ready-Merkmalen im Weizen – wenn denn bestätigt und verifiziert – sehr unwahrscheinlich ist», hiess es in einer offiziellen Erklärung. Und die Lebensmittelkontrollbehörde FDA bleibt bei ihrer schon vor Jahren geäusserten Haltung, dass GM-Weizen keine Gefahr darstelle und sich für den Konsum für Mensch und Tier eigne.

Allerdings sehen das nicht alle so. Bereits am Tag nach dem Bekanntwerden des Funds in Oregon stornierten etwa Japan und Südkorea grosse Weizenbestellungen, die EU will vorerst sämtliche Weizenlieferungen aus den USA noch im Hafen testen. Die US-BäuerInnen fürchten Exporteinbussen im dreistelligen Millionenbereich. Monsantos Aktienkurs fiel kurzfristig um vier Prozentpunkte.

Siehe auch das WOZ-Dossier zur globalen Landwirtschaft.

Dank der Ereignisse in Oregon dürfte es der GM-Lobby in Zukunft etwas schwerer fallen, die Möglichkeit einer unkontrollierten Verbreitung von GM-Pflanzen im selben Mass zu verharmlosen wie bisher. GM-GegnerInnen nutzten zudem die Medienaufmerksamkeit und fordern, das erst im März verabschiedete «Monsanto-Schutz-Gesetz» im US-Haushaltsgesetz wieder aufzuheben, gemäss dem der Vertrieb und Verkauf von GM-Saatgut nicht gerichtlich verhindert werden darf, selbst wenn umwelt- oder gesundheitsschädigende Risiken bestehen.

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