Nr. 35/2013 vom 29.08.2013

Volksmusik von der Hochschule

Von Köbi Gantenbein

Mit «Undrwäx zus Bätschälärs» schliesst die Alpini Vernähmlassig mit dem letzten «Stückli» der neuen CD an eine Tradition von Luzi Bergamin an, der vor sechzig Jahren Berner StudentInnen in einer Kapelle versammelt hatte. Doch hier musizieren nicht angehende Juristinnen und Zahnärzte, sondern VolksmusikstudentInnen. Die Formation mit einem wechselnden guten Dutzend MusikerInnen ist das Schau- und Hörfenster der Hochschule Luzern, des einzigen Orts weit und breit, wo man dieses Fach studieren kann bis eben «zus Bätschälärs». Der Geiger und Sänger Noldi Alder ist dort ebenso Lehrer wie der Klarinettist Dani Häusler, der Akkordeonist Willi Valotti oder der Örgeler Markus Flückiger, der die Studentenkapelle leitet.

Diese Schule ist eine Zeitenwende, denn Volksmusik war 150 Jahre lang Eigenbau, die Ländlerkönige waren Autodidakten, ab und zu boten Konservatorien Kurse an. Mit dem Aufbruch vor dreissig Jahren kamen mit Kapellen wie den Oberwalliser Spillit oder den Fränzlis da Tschlin hochgebildete MusikerInnen zu den Musikanten. Und nun können wir bei den «Alpinis» hören, wohin das führt. Als Erstes muss das Raunen verstummen, die Akademie treibe den Polkas und Mazurkas die Musik aus. Die LändlerstudentInnen sind nicht nur virtuos und präzis, sondern auch musikalisch: erfindungsreich, spielerisch, federleicht. Als Zweites führen sie vor, wie Volksmusik den Bodenstand verlässt und dass diese Musik dann gut war und ist, wenn sie die Fremde in die Heimat holt.

Musikalisch Fremde sind Jazz, aber auch die Urtöne aus der Innerschweiz oder dem Appenzell und Klangwelten aus der seriellen Musik, die die Alpini Vernähmlassig mit den landläufigen Harmonien und Rhythmen zur «Schlafwagechilbi» oder dem «TransRapid» verbinden. Wir hören keine Fusion von Rap mit dem Betruf. Die MusikantInnen tauchen tief ein in die Bestände der Volksmusik, studieren sie mit zuneigendem Respekt und fügen ihnen elegante, schräge und schnelle Töne hinzu.

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