Nr. 40/2013 vom 03.10.2013

Die Herren Professoren und die Bonobo-Äffin

Von Franziska Meister

Die Herren Professoren 
und die Bonobo-Äffin

Seit einiger Zeit überbieten sich die Schweizer Hochschulen geradezu mit ihrer behaupteten Exzellenz – und sei es in den gewählten Sprachbildern: Forschungsprojekte mutieren zu «Leuchttürmen», die alles andere (und vor allem alle anderen) überstrahlen sollen. Doch wohin leuchten die sieben «Pole» der Uni Neuenburg, die sie in ihrer «Vision 2016» vorstellt?

Glänzen tut in erster Linie die aus dickem Hochglanzpapier gefertigte Broschüre selbst. Beim Blättern reiht sich auf den ganzseitigen Bildern dann Männerkopf an Männerkopf an Männerkopf. Mit zwei Ausnahmen: Im einen Fall erklären zwei namentlich genannte Männer einer namenlosen Frau irgendetwas. Diese hält eine Karte in der Hand, der Herr Professor zeigt mit ausgestrecktem Finger auf etwas in der Landschaft, was die Frau wahrscheinlich auf der Karte wiederfinden soll. Womit wieder einmal gezeigt wäre: Frauen bekunden Mühe, sich im Raum zu orientieren und Karten zu lesen.

Ebenfalls eine aus- respektive einladende Geste macht die einzige bildfüllend gezeigte Frau. Wir wollen uns mal nicht darüber aufregen, dass sie nackt ist, behaart an Stellen, wo andere sich rasieren, Hängebrüste hat und ihr Kind etwas gar tief auf der Hüfte hängt. Schliesslich steht eine Bonobo-Äffin aus dem Kongo vor uns. Immerhin aufrecht und mit geradem Blick in die Kamera.

Wer das Interview auf der gegenüberliegenden Seite liest, findet heraus, dass es eine Frau ist, die die Kommunikation der Bonobos erforscht – unter der Aufsicht eines Professors selbstverständlich, wie gleich angefügt wird. Und wer andernorts bis in die Fussnoten vorstösst, stellt mitunter fest, dass einzelne der Projekte gar von Professorinnen – also Frauen! – geleitet werden. Bloss: Auf den zugehörigen Bildern figurieren entweder ihre männlichen Doktoranden oder ein männlicher Koleiter.

So machen die ganzseitigen Bilder vor allem sichtbar, wie unterbelichtet es in den Köpfen der für diese Broschüre Verantwortlichen sein muss. Ganz offenbar schaffen sie es nicht – und da ist die Universität Neuenburg kein Einzelfall –, Exzellenz und Frauenförderung zusammen zu denken.

Die Universität Neuenburg bietet übrigens ein «Certificate of Advanced Studies» für «Entreprise et Egalité» an – Unternehmen und Chancengleichheit. Kann als interne Weiterbildung nur empfohlen werden.

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