Nr. 42/2013 vom 17.10.2013

Ein «Herrgöttli» auf Pump

Von Timo Posselt

12,5 Millionen Franken mehr soll es für die Universität Basel geben. Das teilten die Behörden beider Basel Ende August mit. Doch für den Zustupf muss bluten, wer davon profitiert, dachte sich die Mehrheit des Baselbieter Landrats: Auf ihren Antrag will man die halbjährlichen Studiengebühren an der Uni Basel für alle von 700 auf 850 Franken im Herbstsemester 2014 erhöhen. Basel wäre so nach der Università della Svizzera italiana und der Uni St. Gallen die drittteuerste Uni der Schweiz.

Doch manche LandrätInnen haben noch nicht genug. Paul Wenger (SVP/BL) spricht von «Dumpingpreisen» in Basel und möchte mit einer Motion die Studiengebühren gar auf 1000 Franken für Schweizer Studierende und auf 2000 Franken für ausländische Studierende erhöhen. Die geforderten «sechs Franken pro Tag» liessen niemanden «an die Existenzgrenze stossen». Schliesslich sei das ja «weniger als ein Herrgöttli nach einer anstrengenden Vorlesung» pro Tag. Wenger vergleicht die Basler Gebühren mit den über 5000 Euro, die man an internationalen Business Schools bezahle. Doch in der Schweiz sieht die Realität anders aus: Acht Prozent der Studierenden können sich die Uni jetzt schon nicht leisten und beziehen Stipendien. Gleichzeitig ist das Stipendienvolumen in den letzten zwanzig Jahren um ein Viertel gesunken. Darüber hinaus arbeiten drei Viertel aller Studierenden neben der Uni. Mit der vorgeworfenen «Gratismentalität» hat die studentische Realität nichts zu tun.

Die bürgerliche Politik scheint mit ihren Forderungen nach finanziellen Einschränkungen leichtsinnig Zustände wie in den USA in Kauf zu nehmen: Dort reichen die Stipendien schon lange nicht mehr aus, und Studierende aus der Mittelschicht verschulden sich mit Zehntausenden von US-Dollar. Wenn es nach der bürgerlichen Mehrheit im Baselbieter Landrat gehen soll, müssen auch die Basler StudentInnen ihr «Herrgöttli nach der Vorlesung» künftig auf Pump bezahlen. Dass die Mehreinnahmen aus der beschlossenen Erhöhung nur gerade 0,6 Prozent des universitären Gesamtbudgets ausmachen, scheint da nebensächlich.

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