Nr. 43/2013 vom 24.10.2013

Eintauchen in die langen Regenfäden

Von Stephan Pörtner

Der Dauerregen hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass kein Mensch, der nicht geneigt war, nach draussen ging. Die Unverdrossenen hingegen wurden durch das Eintauchen in die langen Regenfäden nicht nur durchsichtiger, sondern auch gutmütiger. Sie schwebten aneinander vorbei, ohne sich anzurempeln, und wenn es ihnen dadurch nicht das Haupt durchnässt hätte, hätten sie sogar voreinander die Hüte, Kappen und Kapuzen gezogen. Das stetige Plätschern und Gurgeln des Niederschlags schluckte zudem fast alles Geräusch, sodass es bei diesem Wetter ungleich erquickender war, durch die Strassen zu laufen, als bei Sonnenschein, der doch nur die Lauten, die Grellen und Aufdringlichen ins Freie lockte.

;Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Im Juni ist sein neuer Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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