Nr. 44/2013 vom 31.10.2013

Wo sind sie hin?

Von Nahyan Niazi

Tausende Flüchtlinge sind in den letzten Jahren auf ihrem Weg nach Europa ertrunken, nicht nur vor Lampedusa. In Mexiko führte der Drogenkrieg nur schon von 2006 bis 2010 zu schätzungsweise 18 500 Vermissten. Und in den Massengräbern aus Konflikten wie dem Genozid in Ruanda von 1994 liegt eine unbekannte Anzahl Menschen.

Seit Ende Oktober widmet sich die Internationale Kommission für vermisste Personen (ICMP) auf ihrer ersten Konferenz in Den Haag dem Problem der Millionen weltweit Vermisster. Dabei sollen erstmals alle Facetten des Problems – von Kriegen, Menschenhandel, Naturkatastrophen bis zu Migration – diskutiert werden, um Standards zu etablieren, etwa wie Vermisste identifiziert werden können. Gemäss Generaldirektorin Kathryn Bomberger versucht die ICMP, Regierungen auf rechtlichem Weg dazu anzuhalten, ihrer Verantwortung gegenüber Vermisstenfällen nachzukommen. Aber oft sitzen MenschenrechtsverletzerInnen selbst an den Hebeln der Macht.

Die ICMP wurde 1996 auf Initiative des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton nach Ende des Kriegs in Bosnien und Herzegowina eingerichtet. Seither hat die ICMP über 17 000 Personen aus den Massengräbern der Jugoslawienkriege mit DNA-Analyse-Methoden identifiziert. Angehörige von Vermissten können der ICMP ihre DNA geben und danach auf deren Website ihren Fall verfolgen.

Allerdings gibt es bei der ICMP selbst blinde Flecken. So bewegte der frühere US-Aussenminister Colin Powell zwar die ICMP dazu, ihre Arbeit auch auf den Irak zu erstrecken. Gleichzeitig hatte er George Bushs Irakkrieg mit seiner Rede vor der Uno unterstützt. Und James V. Kimsey, bis 2011 ICMP-Präsident, war zugleich Verwaltungsrat der privaten Sicherheitsfirma Triple Canopy, die massiv vom Irakkrieg profitiert hat. Der amtierende ICMP-Präsident Thomas Miller, unter Bush bis 2004 US-Botschafter in Griechenland, sollte also auch die eigene Regierung dazu anhalten, Menschen nicht verschwinden zu lassen – zum Beispiel nach Guantánamo, durch Drohnenangriffe oder durch Kriege wie im Irak.

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