Nr. 47/2013 vom 21.11.2013

Namen, Schall und Rauch

Bitte schillernde Namen für Fussballvereine!

Von Etrit Hasler

Wie sagte Shakespeare so schön? «What’s in a name? That which we call a rose by any other name would smell as sweet.» Also streng genommen sagte das ja Julia, aber lassen wir hier die Details – es geht ja um die Aussage. Und die ist offensichtlich falsch. Zumindest im Sport. Denn die Macht des Namens ist weiterhin ungebrochen.

Man mag mir gern unterstellen, ich sei ein immer wieder mal unkritischer Amerikafetischist – dazu stehe ich. Aber wenn es einen Grund gibt, wieso ich mich erst für Sport interessierte, seit ich Zeit in den USA verbrachte, dann waren es die klingenden Namen der Teams. Wenn da Steelers auf Packers treffen, Vikings auf Saints oder Bulls auf Timberwolves, dann erzählt das Geschichten: ein Duell verfeindeter Gewerkschafter? Illegale Tierkämpfe? Nachgestellte historische Duelle? Zugegeben, das kreiert auch geschmacklose Sprachbilder, zum Beispiel wenn die New England Patriots die Redskins «niedermachen» – da zeigt sich schnell das mangelnde historische Bewusstsein einiger SportkommentatorInnen.

Aber im Ernst: Man muss schon ziemlich lokalpatriotisch sein, damit man eine Anziehungskraft zu einer Mannschaft verspürt, bloss weil sie so heisst wie der Ort, an dem man zufälligerweise gerade lebt. Und es ist mir schleierhaft, wieso sich die Sitte, Sportmannschaften mit Übernamen auszustatten, bei uns nie durchgesetzt hat. Es gibt die Grasshoppers und die Young Boys (wobei sich Letztere gegen den langweilig benamsten FC Bern als Stadtklub durchsetzen konnten). Und die ZSC Lions. Von mir aus noch die Rapperswil-Jona Lakers, aber das kann man einfach nicht ernst nehmen – die kleine Pfütze ernsthaft als See zu bezeichnen und dann noch als St. Galler Klub, das geht ja wohl gar nicht.

Dabei wäre es doch so einfach – gerade bei Teams, die es schon seit Jahrzehnten gibt, wäre ein solcher Übername auch nicht einfach (wie dies in den USA meist der Fall ist) eine marketingtechnische Hülse, die über eine gewachsene Vereinskultur gestülpt würde. Was spricht zum Beispiel gegen FC Basel Chemical Brothers? Oder FC Luzern Eidgenossen? Letzteres mag etwas platt sein, aber wenn wir ehrlich sind, entspräche der daraus entstehende Fangesang «Wir sind Eidgenossen und ihr nicht!» wohl ziemlich exakt dem Selbstverständnis der Luzerner Fankurve. Und nicht zuletzt ihres neuen Sportchefs, Alex Frei, der sich ja auch schon als Rapper der Nationalhymne versuchte.

Der FC Sion heisst im Volksmund ohnehin schon FC Constantin, wobei «Chaos All-Stars» auch ganz passend wäre. Und eine Neubenennung des ältesten Fussballklubs der Schweiz in FC Pyro St. Gallen hätte zumindest den Nebeneffekt, dass Chefstaatsanwalt Thomas Hansjakob umgehend in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden müsste. Eine Umbenennung des FC Aarau zu Aarauer Adler könnte zu einiger Verwirrung führen, wenn plötzlich alle in der Schweiz lebenden Albaner glauben würden, es handle sich dabei um eine Anspielung auf unser Nationalsymbol – andererseits würde das ganz gut zusammenpassen: Unterprivilegiert, unbeugbar und unmöglich, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist – das trifft sowohl auf AarauerInnen wie auf meine Landsleute zu.

Eine selbstironische Umbenennung meines Herzensvereins in FC Winterthurer Zecken wäre vielleicht marketingtechnisch kein Geniestreich, aber der Verein wird von der lokalen Wirtschaft ohnehin schon ignoriert. Dafür käme die politische Ausrichtung der Kurve zum Ausdruck und würde erklären, wieso der Verein keinerlei Interesse daran hat, aus den Niederungen der Challenge League ins Scheinwerferlicht der obersten Liga aufzusteigen.

Und für den Fall, dass sich im Tessin wieder einmal etwas tun sollte: Auf den Verein Bancarotta Bellinzona freue ich mich jetzt schon.

Etrit Hasler hat nicht nur einen Amerika-, sondern auch einen Namensfetisch. Aber das ist auch kein Wunder, wenn man so heisst.

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