Nr. 49/2013 vom 05.12.2013

Übers Tabu reden

Von Markus Spörndli

Israel ist eine Demokratie und hat eine Volksarmee. Was in den besetzten palästinensischen Gebieten passiert, ist also kein Geheimnis – aber ein Tabu. 2004 beschlossen frühere Kampfsoldaten, das Schweigen zu brechen. Sie gründeten die Organisation Breaking the Silence und sammelten Erfahrungsberichte von Hunderten anderer SoldatInnen. Daraus wurde ein Buch, das von verschiedenen Verlagen in vielen Sprachen publiziert wurde, 2012 auf Deutsch, letzten Monat auch auf Französisch.
Die Erfahrungsberichte geben nicht nur dramatische Einblicke in die alltägliche Umsetzung der Besatzungspolitik, die offenbar nur am Rande etwas mit den von der Regierung vorgeschobenen Sicherheitsinteressen zu tun hat. Sie zeugen auch vom Bedürfnis vieler junger SoldatInnen, ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten, etwa, wenn ihnen erst nach Dienstende bewusst wurde, dass sie auf launischen Befehl hin grundlos Menschen töteten.
Der israelische Mainstream war vom Tabubruch schockiert – und bezeichnete die ExsoldatInnen sogleich als anti-israelische VerräterInnen.

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