Nr. 49/2013 vom 05.12.2013

Nicht zum Fetzehr!

Von Jürg Fischer

Dupont und Dupont, Geheimagenten alter Schule, unterhalten sich in der Bar des «Bellevue» in Bern scheinbar zusammenhanglos über Kulinarisches. Dabei lassen sie ihre Blicke über die hier zahlreich versammelten Parlamentarierinnen und Magistraten schweifen. Beiläufig lassen sie die Namen der identifizierten Zielobjekte ins Gespräch einfliessen.

Dupont: «Nehmen Sie noch einen Wermuth oder einen Trester, Mann?»

Dupont: «Nein, lieber ein Bier, ich habe noch so einen Brand von gestern. Oder ist es wieder einmal der Föhn?»

Dupont: «Ober, setzen Sie es auf meine Rechnung.»

Dupont: «Nehmen Sie es nicht persönlich, dass ich neulich so über Ihre Vorlieben herzog, aber ich mag einfach weder Gruyère noch Emmentaler. Ob kein Loch, ob Loch, er schmeckt mir nicht, der Käse.»

Dupont (geistreich): «Solange Sie nicht meinen Cheddar bellaydigen …»

Dupont (auch nicht um eine launige Antwort verlegen): «Der ist doch grad gar nicht zum Fetzehr geeignet!»

Dupont: «Oh doch: Ich esse ihn mit Cassis-Confi à la Grossmutterart.»

Dupont: «Warum nicht gleich mit einer Hagebuttenmark-Walderdbeeren-Assemblage?»

Dupont: «Ausserdem hoble ich ihn gern auf meiner Girodle, richtig raffeln finde ich einfach glättli.»

Dupont: «Haha!»

Dupont: «Machen Sie sich nur lustig, mir egal. Laden Sie im Übrigen nicht alle Oliven auf Ihr Tellerchen.»

Dupont: «Das sind nur drei, Mann, nicht alle, Mann!»

Eine Weile lang stieren sie nur in ihre Gläser und mampfen Oliven und Nüssli. Dann sagt Dupont unvermittelt mit vollem Mund: «Gestern war ich im Denner und fragte, ob es da gerollte Gersze gibt. Da fragte mich der Kaufmann socar, ob Bio-Gersze recht sei.»

Dupont: «Und?»

Dupont: «Ich sagte Ja. Diese ganzen Getreide von minderer Qualität, die nerven mich einfach tierisch. Darum kaufe ich auch nur Fehr-Visch, er schmeckt zwar auch nicht anders. Am Stutz soll es jedenfalls nicht scheitern.»

Dupont: «Ich finde ja Ketschäpp ätzend, nur der frische Pomodoro hat das richtige Profumo, zudem gelingt der auch immer.»

Dupont: «Ausser Sie lassen die Dinger zu stark ins Wasser fallen. Das Wasserbaad erweist sich eh in den meisten Fällen als Knackpunkt. Doch detailliertes Wissen über das Wasserbad rangiert selbst in der gehobenen Küche nicht weit oben.»

Dupont: «Mit manchen Verrenkungen der Dreisternmöchtegerns am Herd habe ich sowieso meine Mühe: Neulich gabs bei Brunner Puffreys in geronnenem Blut von einem Wildsaueber, Leberli dazu und zum Dessert Zigerstöckli. Wieso nicht einfach Tournedos Rossini oder ein Rehgeschnetzeltes Hubertus?»

Dupont (erneut mit vollem Mund – oder ist er etwa schon wieder leicht angeschickert?): «Jo, und dann geht es ewig, bis etwas aus der Küche kommt, jo, sitsch und sitsch und trinksch und trinksch …»

Immer mehr ParlamentarierInnen drängen sich im Lokal, bis man die heisse Luft förmlich abstechen kann. Der Alkohol- und der Geräuschpegel steigen, sodass man beim besten Willen nicht mehr verstehen kann, was Dupont und Dupont sagen.

Das Mikrofon platziert hat Jürg Fischer.

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