Nr. 51/2013 vom 19.12.2013

Was drinsteckt, wo Ländler draufsteht

Von Köbi Gantenbein

Hans Hassler, dem Musikanten am Akkordeon, geht es wie den meisten von uns: Er studiert, was die Jugend mit ihm angestellt hat, dass er so wurde, wie er ist. Er beantwortet seine Selbstsuche mit Musik. Vor mehr als fünfzig Jahren war Hassler junger Ländlermusikant im Kanton Graubünden, ein virtuoser Handörgeler, der die Standards ab Ohr konnte noch mehr als ab Blatt.

Dann ging er wie die meisten ins Aus- und ins Unterland, wo er seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Immer hielt er – auch wie die meisten – den Draht nach Hause. Auch als Musikant. Und nun zeigt er mit seiner CD «Hassler», was aus der frühen Zeit geblieben ist und was einer wie er damit anstellen kann. Er tut dies zusammen mit Jürgen Kupke, Klarinette, Gebhard Ullmann, Bassklarinette, und Beat Föllmi, Perkussion, entlang von zwei Fäden.

Mit dem ersten freut er sich neugierig wie ein Bub, was die alten Gassenhauer wie der «Gruss an Tschiertschen» von Luzi Brüesch oder «Am Stieramarkt in Thusis» von Hans Fischer musikalisch hergeben. Kräftige Rhythmen, einfache Phrasierungen und die dauernden Wiederholungen. Mit solchen Eigenheiten spielt Hans Hassler verschmitzt, heiter und natürlich virtuos. Denn mit dem zweiten Faden führt er vor, was die Handorgel, die er schon spielt, seit er ein kleiner Bub war, dem hergibt, der Musik von Kasi Geisser und Paul Kollegger heutig und persönlich hören will.

Hassler nahm sein Instrument ja mit auf eine weite Reise in die klassische, die freie und die Jazzmusik. Die Art, in der er die beiden Fäden verknüpft, wird zwar die LändlerfreundInnen von Radio Beromünster selig zum Knurren bringen. Hörten sie zu, so hörten sie, wie Hassler sich doppelt vor der Tradition verbeugt. Es berührt mich, wie sanft und respektvoll dieser Musikant Fischer, Brüesch und Co. zeitgenössisch spielt und nicht einfach modisch gegen den Strich bürstet. Es überrascht mich, was alles drinsteckt, wo Ländlermusik draufsteht.

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