Nr. 02/2014 vom 09.01.2014

Landwirtschaft kann auch anders

Von Sonja Wenger

Bis ins Jahr 2050 wird die Welt vor der Herausforderung stehen, zwei Milliarden Menschen mehr als heute ernähren zu müssen und dabei gleichzeitig den fortschreitenden Verlust der Biodiversität einzudämmen. Die gängigen Rezepte der grossen Institutionen wie der Weltbank, der grossen nichtstaatlichen Organisationen wie des WWF und der privaten Stiftungen in Zusammenarbeit mit Regierungen und der Industrie lauteten dafür bisher meist: Effizienzsteigerung in den landwirtschaftlichen Anbaumethoden mithilfe von Gentechnik und Chemie auf immer grösseren Anbauflächen, aber auch rücksichtsloser Naturschutz. In beiden Fällen gilt die lokale Bevölkerung als «entbehrlich» oder gar als Interessenfeind, sie wird allzu oft enteignet und von ihren Ländereien vertrieben.

Dass es auch anders geht, zeigt der deutsche Agrarwissenschaftler und Publizist Peter Clausing (siehe WOZ Nr. 46/13) eindrücklich in seinem neuen Buch «Die grüne Matrix». So dünn und unscheinbar das Buch auf den ersten Blick scheint, so dicht gepackt und voller Leidenschaft für eines der wichtigsten Themen der menschlichen Zukunft ist es. Mit verständlich geschriebenen wissenschaftlichen Informationen sowie prägnanten Argumenten hält Clausing darin ein fundiertes Plädoyer für agrarökologische Anbaumethoden, die nicht nur über das Potenzial verfügen, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, sondern auch die beste Armutsbekämpfung darstellen und die dabei noch Umwelt und Biodiversität erhalten.

Mit klarem Blick für die grossen Zusammenhänge erläutert der Autor zudem, mit welchen Methoden die GegnerInnen der Agrarökologie agieren, wie sich Konzerne dank korrumpierter Zertifizierungsprogramme etwa im Emissionshandel ein «grünes» und «nachhaltiges» Image verschaffen und wie sie versuchen, die Deutungsmacht in den Wissenschaften zu erlangen. Gerade in diesem Zusammenhang ist Clausings Buch eine kundige Informationsquelle und ein dringender Aufruf, genau hinzuschauen, wenn es um unser aller Ernährungssicherheit geht.

Peter Clausing: «Die grüne Matrix. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg». Unrast Verlag. Münster 2013. 156 Seiten. Fr. 19.90.

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