Nr. 05/2014 vom 30.01.2014

«Transparenz!» – Aber nur mit Hornbrille

Von Dominik Gross

In der letzten WOZ (Nr. 4/2014) war zu lesen, dass die «Gesellschaft für eine offene & moderne Schweiz» (GomS), die sich gegen die «Masseneinwanderungs»- und die Ecopop-Initiative engagiert, von der Economiesuisse finanziell unterstützt wird. Auf Facebook und Twitter war die Empörung darüber gross. Im GomS-Milieu war man irritiert: Man habe nie etwas verschleiert, alle Welt wisse über die Finanzhilfe vom mächtigsten Schweizer Wirtschaftsverband Bescheid. Fakt ist: Bis heute hat die GomS offiziell keine Transparenz über ihre Finanzierung hergestellt.

Mit ihrem Eiertanz ums Geld schadet die GomS, die sich als urbane Bürgerbewegung verkauft, der Glaubwürdigkeit von ehrenamtlichem Politengagement massiv. Zudem befremden an der Geschichte vor allem zwei Dinge: Erstens fällt es der mehr oder weniger linken Polit- und Kulturszene in Zürich offenbar schwer, über den eigenen Hornbrillenrand hinauszublicken. Transparenz bei Kampagnenfinanzierungen ist hergestellt, wenn sämtliche Interessierten den finanziellen Hintergrund einer Politgruppe nachvollziehen können. Und nicht nur die, mit denen man abends in der Szenekneipe ein Bier trinkt.

Zweitens handelt es sich bei Economiesuisse bekanntlich um einen politischen Akteur, der garantiert nichts anderes als die Interessen von zwei Dutzend börsenkotierten Schweizer Multis im Sinn hat. Mit ihrer sozialen und ökologischen Verantwortungslosigkeit sind diese mitverantwortlich dafür, dass die aktuelle Schweizer Zuwanderungspolitik derart unter Druck geraten ist. Die GomS und ihr nahestehende linke Zürcher PolitikerInnen tun nun so, als handle es sich bei diesem Verband um einen gebrechlichen Philanthropen von der Goldküste, dessen brüchige Privatsphäre zu schützen sei. Mit Verlaub: Für wie blöd halten die uns eigentlich? Ein Lernprozess scheint bei der GomS allerdings eingesetzt zu haben: Ihr Spiritus Rector Thomas Haemmerli, ehemaliger Journalist und heute Partner bei der Kommunikationsagentur Haemmerli Schäfer Contemporary Communication, sagt nun nämlich: «Wir hätten die Unterstützung der Economiesuisse auf unserer Website von Anfang an publik machen sollen.»

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