Nr. 07/2014 vom 13.02.2014

Regen über Montreal

Von Fredi Bosshard

Bei Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra dreht sich alles um das Hotel2Tango im Mile End Quartier von Montreal. Genauso wie bei der eng verschwägerten Band Godspeed You! Black Emperor; beide sind seit Ende der neunziger Jahre unterwegs. Ebenso eng sind die Beziehungen zwischen einem lockeren Pool von lokalen MusikerInnen mit Constellation Records. Das Label veröffentlicht seit vielen Jahren grafisch liebevoll aufgemachte Editionen meistens als CD und auf schwerem Vinyl. Im einfachen kubischen Bau, der das Hotel2Tango und Constellation Records seit 2007 beherbergt, befindet sich ein 24-Spur-Analogstudio. Es hat den Charme eines Bastelraums, der auf ein Wohnzimmer trifft und dem man ansieht, dass es intensiv genutzt wird.

Efrim Manuel Menuck (Gitarre), Thierry Amar (Bass) und Sophie Trudeau (Bratsche) bilden das goldene Dreieck beider Bands. Für die aktuelle CD mit dem wie immer sperrigen und langen Titel «Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything» haben sie das Orchestra verschlankt und nur noch Jessica Moss (Violine) und David Payant (Schlagzeug) dazugenommen.

«Musik ist eine Lebensweise und nicht nur eine Wochenendbeschäftigung, für die du dein Leben hergibst. Wir machen weiter, ohne Zweifel», sagt am Anfang des letzten Songs, «Rains Thru the Roof at Thee Grand Ballroom», eine Stimme auf Englisch, die simultan auf Französisch übersetzt wird. Trommeln setzen ein, ein Synthesizer zieht wehmütige Klangschlieren, eine hohe Stimme singt dazu, und im Hintergrund klimpert jemand auf einem Piano. Es ist Musik, wie sie an langen, kalten Wintertagen mit wenig Licht entsteht, wenn einzig das Wohnzimmerstudio etwas Behaglichkeit verbreitet und trotzdem ein grosses Unbehagen an der Welt bleibt.

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra spielt am Donnerstag, 13. Februar 2014, in der Grabenhalle, St. Gallen, am Freitag, 14. Februar 2014, in der Zürcher Roten Fabrik, am Samstag, 15. Februar 2014, in der Reithalle Bern und am Sonntag, 16. Februar 2014, am Antigel Festival in Genf.

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