Nr. 09/2014 vom 27.02.2014

Lieber Uwe – Lieber Herr Frisch

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

In den Buchhandlungen kann man derzeit einen neuen «Frisch» kaufen. Zwanzig Jahre nach dem Tod des Schriftstellers sind Auszüge aus seinem «Berliner Journal» erschienen. 1973 hat Frisch in der geteilten Stadt eine Wohnung bezogen und alltägliche Beobachtungen und essayistische Texte festgehalten. So etwa stellte er sich vor, wie Zürich als geteilte Stadt aussehen würde. Die Grenze zwischen West-Zürich und Ost-Zürich bildete dabei die Limmat. «Die Brücken über die Limmat sind alle noch erhalten; gewisse Ausländer können passieren, wenn sie Ausweise haben, wir natürlich nicht», heisst es im Text. «Die Mundart hat sich erhalten, aber es wird gesagt, dass wir hüben und drüben nicht mehr die gleiche Sprache reden. Beide Seiten behaupten, dass sie demokratischer leben.» Die Beschreibung liest sich komisch aktuell angesichts der Schweiz, die wieder Grenzen errichtet und von ihrer Demokratie aufs Allerbeste überzeugt bleibt, auch wenn ein Viertel der Bevölkerung davon ausgenommen ist.

Im «Berliner Journal» finden sich auch Porträts von Kollegen, darunter von Uwe Johnson. Der Freundschaft zwischen den beiden Schriftstellern widmet das Zürcher Sogar-Theater nun einen Leseabend: Nach einem Konzept von Taja Gut lesen Oscar Sales Bingisser und Alexander Seibt aus dem Briefwechsel zwischen Frisch und seinem jüngeren Kollegen vor. «Lieber Uwe – Lieber Herr Frisch» bietet einen Einblick in ihre Lebens- und Schaffensbedingungen und ist Zeugnis einer uneitlen Schriftstellerfreundschaft.

«Lieber Uwe – Lieber Herr Frisch» in Zürich, Sogar Theater, Donnerstag/Freitag, 
27./28. Februar 2014, 20.30 Uhr, Samstag/Sonntag, 
1./2. März 2014, 17 Uhr.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch