«Electronic Beats» : Schreiben für die Telekom

Nr.  17 –

«Wir wollten immer alles vereinen: Musik, Technik, Netz, Selbstbeherrschung. Wir wollten die Schnittstelle zum Glück sein. Das Glück aber liegt am Ende wohl nicht zwischen gedruckten Seiten.» So wurde Sascha Kösch, Mitbegründer und Chefredaktor des Berliner Magazins «De:Bug», vergangene Woche im WOZ-Medientagebuch zitiert. Nach sechzehn Jahren hat «De:Bug» mit der April-Nummer das Erscheinen eingestellt.

Zeitgleich versucht nun das seit 2005 existierende Magazin «Electronic Beats» mit der ersten deutschsprachigen Printausgabe sein Glück. «‹Electronic Beats› ist das internationale Musik-Programm der Deutschen Telekom», liest man etwas erstaunt im Impressum. Für das materielle Glück scheint also gesorgt. Im Untertitel heisst es: «conversations on essential issues», und mit Max Dax, dem ehemaligen Chefredaktor von «Spex», zeichnet einer verantwortlich, der mit seinen Interviews – unter anderem auch in der WOZ – überzeugt hat.

Für die deutsche Erstausgabe hat Max Dax mit dem DJ-Duo Sorte Skole aus Kopenhagen gesprochen. Er reiste für 72 Stunden nach Rio de Janeiro, um sich kurz vor der Fussball-WM mit den Musikern Caetano Veloso und Arto Lindsay zu unterhalten. In Philadelphia suchte er das Gespräch mit dem 89-jährigen Altsaxofonisten Marshall Allen, der seit einigen Jahren das Sun Ra Arkestra leitet. Neben dem Interview hat Allen dem Fotografen André Vida seltene Einblicke in seinen Arbeitsalltag gewährt. Dass Allen, der demnächst mit dem Arkestra auf Europatournee geht, als Tenorsaxofonist bezeichnet wird, ist wohl dem Anfangsstress zuzuschreiben.

Einige mehr oder weniger prominente MusikerInnen geben persönliche Empfehlungen ab, so schwärmt Joachim Irmler von Faust über die Vinyl-Remasters seiner Zeitgenossen von Can, die 1969 aufgenommen wurden, und Boy George schreibt über seine Verehrung für Bob Dylan. Die erste Nummer von «Electronic Beats» ist leicht zu lesen, und die Interviews sind gewohnt informativ. Ein Ersatz für «De:Bug» ist das Magazin allerdings nicht.

«Electronic Beats» erscheint vierteljährlich 
und ist auch an Kiosken in der Schweiz erhältlich. 
www.electronicbeats.net