Nr. 27/2014 vom 03.07.2014

Mit der Ich-AG gegen digitale Cowboys

Von Philippe Wampfler

Daten, heisst es, seien das Erdöl des 21. Jahrhunderts. Anders als Erdöl werden sie aber von uns erzeugt. In undurchsichtigen Verträgen, die sich in seitenlangen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verstecken, die kaum jemand liest, treten wir die Rechte an diesen Daten an wenige, mächtige Konzerne ab.

In «Das Kapital bin ich» formuliert der Journalist und Ökonom Hannes Grassegger eine Lösung: Die Daten gehören uns, weil wir sie verursachen, darum können sie auf einem Markt verkauft werden – nach unseren Bedingungen: Will ein Supermarkt wissen, was wir einkaufen, können wir ihm gegen faire Entschädigung das Recht dazu geben und dabei eigene AGBs festlegen. Grasseggers Essay ist unterhaltsam geschrieben. Er sammelt die entlarvenden Aussagen der Silicon-Valley-CEOs und findet für seine Analysen prägnante Bilder. Die digitalen Unternehmen bezeichnet er als «Cowboys», «Kidnapper», «Overlords» oder «Sklaventreiber».

Grassegger verbindet damit eine klare wirtschaftliche Fragestellung. Menschen leisten auf Plattformen wie Facebook und Google wertvolle Arbeit. Doch wenn Grassegger darauf vertraut, dass ein Markt diese Problematik korrigieren könnte, erstaunt das: War es doch erst der Markt, der diesen Zustand herbeigeführt hat. Denkt man über bessere Lösungen nach, so bieten sich gewerkschaftliche Organisation oder staatliche Interventionen an. Erstere erforderten Solidarität und Disziplin im Umgang mit Daten. Staatliche Eingriffe sind nicht ohne Überwachung zu haben – die bereits heute ein Problem darstellt. Auch das gedenkt Grassegger mit seinem Vorschlag zu lösen: Die Geheimdienste kamen ja erst durch die kommerziellen Datensammlungen auf die Idee, flächendeckend zu überwachen. Legten alle Personen Bedingungen für die Nutzung ihrer Daten fest, müssten sich auch Staaten daran halten.

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