Nr. 35/2014 vom 28.08.2014

Keine Ausfuhr mehr für gebrauchte Brennstäbe

Von Susan Boos

Die gute Nachricht wurde kaum zur Kenntnis genommen – weil die schlechte alles überlagerte: Es soll für die alten AKWs auch künftig keine Laufzeitbegrenzung geben – unter dem Begriff «Langzeitbetriebskonzept» können sie faktisch unbeschränkt am Netz bleiben. Das empfiehlt die Mehrheit der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (Urek-N). Damit werde das nukleare Risiko für die Bevölkerung verlängert statt begrenzt, kritisiert Jürg Buri, Präsident der Allianz Atomausstieg.

Die Urek hat aber auch einen erfreulichen Entscheid gefällt: Schweizer AKWs sollen ihre gebrauchten Brennstäbe nicht mehr zur Wiederaufbereitung schicken dürfen. Früher verfrachteten sie ihre Brennstäbe in die Wiederaufbereitungsanlagen im britischen Sellafield oder im französischen La Hague. Dort wurden das Plutonium und das Uran herausgetrennt – ein höchst umstrittenes Verfahren. Die Schweizer AKW-Betreiber glaubten ursprünglich, den strahlenden Müll dort lassen zu können. Doch dann änderten Frankreich und Britannien ihre Gesetzgebung, weshalb der Abfall zurückgeführt werden muss und der Schweiz Tonnen von abgetrenntem Plutonium beschert. Dieses Plutonium wird heute wieder in AKWs eingesetzt – was aber auch zusätzliche Risiken mit sich bringt.

Zurzeit gilt ein Wiederaufbereitungsmoratorium, das 2016 ausläuft. Die Urek hat nun beschlossen, dem bundesrätlichen Vorschlag zu folgen und die Ausfuhr von abgebrannten Brennelementen zur Wiederaufbereitung endgültig zu verbieten.

Der Nationalrat wird das Geschäft – das Teil des Massnahmenpakets zur Energiestrategie 2050 ist – in der Wintersession beraten.

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