Nr. 42/2014 vom 16.10.2014

Bobo, Klara, Hedvig und der Punk

Von Florian KellerMail an AutorIn

Das blonde Püppchen in der Mensa weiss Bescheid: «Punk ist tot, habt ihr das nicht mitbekommen?» Bobo und Klara verdrehen die Augen. Die beiden dreizehnjährigen Mädchen haben es nicht leicht als angehende Punks 1982 in Stockholm. Schlimmer noch als besserwisserische Blondinen in der Schule sind nur die eigenen Eltern, die so aufgeschlossen und tolerant sind, dass sie die kurz geschorenen Haare der widerspenstigen Tochter sogar herzig finden. Wie will man sich da noch ordentlich der Norm entziehen?

Wir sind bei Lukas Moodysson, der solche repressive Toleranz in einem linken Milieu ja schon einmal sehr schön vorgeführt hat, in seiner ausgesprochen haarigen Hippiekomödie «Tillsammans» (2000). Sein verunglückter Versuch eines zeitgeistig globalisierten Familiendramas à la «Babel» hat es zuletzt nicht einmal mehr in die Schweizer Kinos geschafft («Mammoth», 2009). Jetzt ist Moodysson wieder zurück auf dem Terrain, das ihn einst gross gemacht hat: bei der Identitätssuche pubertierender Mädchen, wie damals bei seinem Erstling «Fucking Amal» (1998).

Nach einem Comic seiner Frau Coco Moodysson schildert er in «We Are the Best!» die Freundschaft zwischen Bobo und Klara, die im Jugendtreff aus Langeweile und mehr aus Versehen eine Punkband gründen. Talent haben die Mädchen keins, brauchts ja auch nicht bei dieser Spielfreude. Die Darstellerinnen aber haben beides: Mira Barkhammar als Bobo und Mira Grosin als Klara sind die Attraktion in diesem Film, auch wenn ihr umwerfender Tomboy-Charme das Gegenteil von Punk ist. «No future»? Von wegen, die beiden sind ein Versprechen für die Zukunft.

Weils aber für eine Band mindestens drei braucht, rekrutieren sie noch Hedvig dazu, das blonde Christenmädchen, das beim Schulkonzert so apart die Saiten zupft. Und in einer der lustigsten Szenen versuchen sie, ihrer frommen Gitarristin dann streng logisch zu erklären, warum ein Refrain wie «Hängt Gott» im Kern doch von einer christlichen Gesinnung zeuge. Vielleicht sind wir jetzt auch schon wie die linksliberalen Eltern, wenn wir freudig erklären: Herziger Film!

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch