Nr. 51/2014 vom 18.12.2014

Der «heitere Paranoiker» vertröstet auf später

Von Andreas Fagetti*

Es soll Leute geben, die sich schämen, wenn sie mit der «Weltwoche» erwischt werden. Einer kennt keine falsche Scham. Er liest wohl Roger Köppels Blatt. Und möchte lesen, wie die Redaktion der rechten Postille arbeitet. Und so macht er der WOZ «einen etwas schwer durchführbaren, aber dennoch interessanten Vorschlag für eine Insiderreportage: Eine Woche bei der Weltwoche. Wie werden Aussagen zusammengesetzt, Titel gesetzt, Themen gewählt?»

Also schickte ich dem «heiteren Paranoiker», wie sich der Chefredaktor einmal selbst nannte, ein E-Mail. Die Antwort liess auf sich warten, am Montag hakte ich nach. Und hatte kurz darauf Köppels Assistentin Miriam Schoch am Apparat. Wir führten ein kurzes Gespräch. Ihren Worten entnahm ich, dass der Chef zwar recht unter Zeitdruck stehe, er die Vorstellung jedoch amüsant finde: Ein WOZ-Reporter beobachtet die KollegInnen vom anderen politischen Ufer, geht nah ran, befragt sie, hört hin. Ich glaube, es fiel beiläufig der Satz «… aber nicht in die Pfanne hauen». Nein, das nicht. Bloss schreiben, was ist. Sofern das überhaupt möglich ist. «Amüsant» – das verhiess Gutes. Ich skizzierte, was ich auf der «Weltwoche» vorhatte. Etwa den Chefredaktor zum Essen einladen und entspannt über das Feindbild «Weltwoche» und ihre Feindbilder reden. Und über Köppels Fetisch, die Schweiz. Die ganze Truppe an der Freitagssitzung erleben wollte ich, Reporter interviewen, am Dienstagabend vor Redaktionsschluss mitbekommen, weshalb es eine Story aufs Cover schafft – und wer das letzte Wort hat. Womöglich würde ich die eine oder andere Verschwörungstheorie dekonstruieren. Oder liefern, was wir schon immer wussten. Ich hatte keine These. Nur Fragen. Und ein paar Vorurteile. Eine gute Mischung.

Am Mittwoch, an der Redaktionsleitersitzung der «Weltwoche», fiel der Entscheid: Miriam Schoch übermittelte mir das Njet. Der Zeitdruck vor Weihnachten sei enorm, nichts zu machen. Ein anderes Mal, unter günstigeren Umständen: gern. Die WOZ nimmt Roger Köppel beim Wort.

* Wunsch von Julian Wettach: «Verbringt mal bei der ‹Weltwoche› eine Woche.»

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