Nr. 10/2015 vom 05.03.2015

Ungebremster Strahlenverkehr

Von Bettina Dyttrich

Die mobile Internetnutzung werde immer beliebter, heisst es in einer Medienmitteilung des Bunds zum letzte Woche veröffentlichten Bericht «Zukunftstaugliche Mobilfunknetze». «Damit die Netze diesen Anstieg bewältigen können, sind Anpassungen unabdingbar.» Eine mögliche Anpassung, die der Bundesrat in Betracht zieht, ist die Lockerung der Grenzwerte.

Die Grenzwerte seien hierzulande zehnmal strenger als in der EU, hört man oft. So einfach ist es nicht: Die strengeren Grenzwerte gelten nur für «Orte mit empfindlicher Nutzung» wie Schlafzimmer oder Kindergärten. Und sie gelten für jede Antennenanlage einzeln – andere Quellen werden nicht gezählt. Länder wie Italien, Belgien oder Luxemburg haben ähnliche, teils strengere Regelungen. Die Gesamtbelastung ist in der Schweiz nicht tiefer als anderswo.

Die Weltgesundheitsorganisation hat Mobilfunkstrahlung 2011 als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. Dass die Strahlung einen Einfluss auf den menschlichen Körper hat, ist erwiesen – sie verändert Hirnströme und Prozesse in den Zellen, kann sogar DNA-Strangbrüche auslösen.

Dazu kommt das Erfahrungswissen der ÄrztInnen. «Ganz klar: Es gibt Leute, die unter elektromagnetischen Feldern leiden», sagte die Ärztin und grüne Nationalrätin Yvonne Gilli vor zwei Jahren gegenüber der WOZ (siehe WOZ Nr. 4/2013). Eine Erhöhung der Grenzwerte sei unverantwortlich, sagt sie heute. Diese müssten im Gegenteil gesenkt werden.

Zu den langfristigen Folgen der Strahlenbelastung gibt es keine Studien – der Langzeitversuch findet mit der Bevölkerung statt, in Echtzeit. Aber was solls: Dafür können wir jederzeit und überall Youtube-Videos schauen.

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