Nr. 18/2015 vom 30.04.2015

Ein Aufruf zum Kriegsende

Von Yves Wegelin

Am 8. Mai 1945 konnte die Welt aufatmen: Im französischen Reims kapitulierte das Naziregime. In diesen Tagen wird auch in der Schweiz der 70. Jahrestag des Kriegsendes begangen.

Weniger bekannt ist, dass in den Tagen nach der Kapitulation im nordalgerischen Sétif Truppen der französischen Kolonialmacht Tausende von AlgerierInnen töteten. Zuvor hatten AlgerierInnen das Kriegsende mit algerischen Fahnen gefeiert, was französische Truppen mit Gewalt zu unterdrücken versuchten. Auf die darauffolgenden Ausschreitungen, bei denen rund hundert FranzösInnen getötet wurden, reagierte Frankreich mit weiterer Repression. Der Faschismus war am Ende, doch der Kolonialismus lebte weiter – es sollten fast zwanzig weitere Jahre verstreichen, bis Algerien nach einem langen Befreiungskrieg unabhängig wurde.

Um daran zu erinnern, dass nach dem Faschismus der europäische Kolonialismus weiter bestand – und bis heute in der Unterstützung autoritärer Regimes etwa in Afrika weiterlebt –, hat Jo Lang, Historiker und Vizepräsident der Grünen, zusammen mit MitstreiterInnen einen Aufruf zur Unterzeichnung ins Internet gestellt: «Der doppelte 8. Mai. Wir sind EINE Welt.»

Der Aufruf zieht aus der Geschichte auch Schlüsse für die Schweiz: Die Hauptaufgabe der Aussenpolitik sei es, die beiden wichtigsten Errungenschaften von 1945 zu stärken, die Uno und das von dieser beschlossene Kriegsverbot. «Dazu gehören der Verzicht auf Kriegsmaterialexporte und eine offene Asylpolitik – gerade gegenüber Kriegsflüchtlingen.» Die Unterschriften sollen am 8. Mai der französischen und der algerischen Botschaft sowie dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) übergeben werden.

www.manifest-achter-mai.ch

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