Nr. 20/2015 vom 14.05.2015

Flattern und knattern

Ruedi Widmer empfiehlt der SP, eine Bikergang zu gründen

Von Ruedi Widmer

Die SP will als einzige Partei für die Wahlen im Herbst 2015 100 000 Telefonanrufe ans Volk tätigen, um ihre bisherigen WählerInnen bei der Stange zu halten oder auch um neue Wählende zu erreichen.

Ich bin skeptisch, denn gerade im linksliberalen Umfeld ist Telefonwerbung nicht beliebt. Ich pflege beim täglichen Werbeanruf des aggressiven Telekommunikationsanbieters Swissphone Verworrenheit zu erzeugen, indem ich die Frage «Sind Sie noch bei Swisscom?» mit der Antwort «Ja, ich bin immer noch bei Swissphone und bin sehr zufrieden» pariere. Die Anrufsperson ist stets irritiert. Aber bei mir heisst Swisscom jetzt Swissphone, auch im weiteren Gesprächsverlauf. Meist wird das Telefonat vom Anrufenden beendet, was mich immer wieder freut, so als kleine Freude in einer zunehmend freudlosen Welt.

Die SP muss volksnähere Wahlkampfmassnahmen ergreifen, um die mediale Hoheit von der Rechten zurückzugewinnen. Die Bildung einer Motorradgang mit dem Namen Rotwölfe wäre ein Novum im Wahlkampf. Die Juso-Brillenbuben sollen sich Haupt- und Kinnhaar wachsen lassen und einen weiten Bogen um Hipsterbars und Hinterhofmoscheen machen (die derlei Mannsbilder nur zu gerne am Ärmel packen und in ihre Welt zerren), um schliesslich einen Harley-Davidson-Shop aufzusuchen. Dort können sie (auf Sozialkosten) eine Harley kaufen und sich gleich daneben in ritterliche Lederkluften stürzen.

Dann bilden sie eine sozialdemokratische Zusammenrottung und blochen quer durch die Schweiz. Fahnen mit den Konterfeis Peter Bodenmanns, Willi Ritschards, Otto Stichs und der kultig-rätselhaften Ursula Koch flattern an den knatternden Motorrädern.

Um das Herz des konservativeren Wählers zu erobern, empfiehlt es sich für die SP, die geschasste Wiler SVP-Frau Sarah Bösch mit auf den Töffrücksitz zu packen, die man sonst noch schneller vergisst als die gleichnamige und gleichfalls gefallene Nachrichtensprecherin Cornelia Boesch. Anders als Jolanda Spiess-Hegglin (GP) mag sich Sarah Bösch zwar noch an sich selber erinnern, hat aber den festen Stand unter den Füssen wiederum im Gegensatz zu Cornelia Boesch nicht zurückgewonnen. Sie sollte dringendst sozial betreut werden, mediengerecht inszeniert. Sarah Bösch bietet dafür einem ländlichen Publikum in SP-fernen Landesteilen eine Rockerbrautausstrahlung im sexy Mini und Netzstrümpfen. Ganz nach dem – Achtung! – neuen Motto: «SVP heisst jetzt SP.»

Mit dieser aus der Telekommunikationsfirmenumbenennungsszene stammenden Losung schweizweit auf Plakatwänden kann die SP im Herbst im Handumdrehen geschätzt zwei Drittel der SVP-Stimmen übernehmen und wird so das «Salt.» in der Suppe des Wahlkampfs: Parteieintritte, Parteiaustritte, erzürnte Alt-SPler, verwirrte Wutbürgerinnen, peinlich berührte Intellektuelle, begeisterte Werberinnen, konsternierte SVPler, SRF-Arenen und «Blick»-«Darf man das?»-Strassenumfragen.

Vor Schreck treten dann wie in Britannien alle anderen ParteipräsidentInnen zurück, und ausgerechnet Christian Levrat bleibt. Aber nur mit meinem Konzept, das ich der SP natürlich gratis zur Verfügung stelle. Das politische Überleben Levrats als Parteipräsident hängt direkt mit diesem Konzept zusammen. Er muss es wagen.

PS: Die SVP würde selbst in ihren besten Lügenmomenten nie behaupten, die SP heisse jetzt SVP.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.

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