Nr. 21/2015 vom 21.05.2015

Fertig lustig

Ruth Wysseier über unlösbare mediale Probleme

Von Ruth Wysseier

Ein Heidenspass
Ein Berner namens Grittli Bryn
war selbstverständlich Bernerin.
Sie las gern «TV Land & Lüt»,
das fand sie Balsam fürs Gemüt.
Mit «Potzmusig» und «Samschtig-Jass»
hatt’ sie auch einen Heidenspass.
«Landfrauenküche» war ihr Hit,
da gabs kein Halten mehr für Grit.
Sie kochte jede Sendung nach,
trug dazu Berner Tracht und sprach,
als stünd’ sie vor der Kamera.
Dabei war nur ihr Wäutu da.
Dem ging das komplett auf den Wecker,
drum zog er ganz brachial den Stecker
und warf den Kasten auf den Mist,
wo er seither am Rosten ist.
Danach gabs nur noch Tiefkühlkost
bei Bryns in Interlaken Ost.
Sie schliefen in getrennten Betten –
die Ehe war nicht mehr zu retten.

Die Dauerwut
Ein Berner namens Housi Thut
litt unter einer Dauerwut.
Weil er einst zehn Viagra nahm
und trotzdem keine Frau bekam.
Stattdessen diese Wut im Bauch –
und im Gehirn nur dicker Rauch.
Seitdem tobt er auf Onlineforen,
und schiesst nonstop aus allen Rohren.
Die Nachbarn poppen um die Wette,
er giftet gegen Minarette.
Und auch beim Thema Frauenquoten
gebärt sein Frust nur wüste Zoten.
Ob SRG, ob Erbschaftssteuer,
sein Zorn schwillt an zum Riesenfeuer.
Als Bürger spürt er nur noch Wut.
Er lässt sie raus, das tut ihm gut.
Er holt die Armbrust, legt sie an:
Heut Abend ist «Arena» dran.
Und hätt’ er noch ein Sturmgewehr –
Politiker gäbs keine mehr.

Freiheit! Markt! Sicherheit!
Ein Berner namens Wasserfallen
war allzu nah vom Stamm gefallen.
Er fiel gleich in die FDP,
der Sturz tat deshalb nicht so weh.
Doch klang er schon in jungem Alter
wie ein vergreister Sachverwalter.
In seinem Kopf wuchs Papas Saat:
Gibs den Privaten, nimms dem Staat!
Die SRG, das Ungeheuer,
braucht keine neue Mediensteuer!
Das Script schrieb Rickli Natalie.
Nein, Goldbach Medien schriebs für sie.
Sie wetzt die Klingen, lächelt kalt,
ist gut erholt nach dem Burn-out.
Das SVP-Verkaufstalent,
das alle PR-Trickli kennt,
sagt: Freiheit! Markt! Und Sicherheit!
Nun folgt mir brav, ihr lieben Leut!
Und legt auf jeden Fall ein Nein
zu eurem Lieblingssender ein.

Ruth Wysseier gibt gern Einblicke 
in die Schweizer Volksseele am Ende 
des TV-Zeitalters.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch