Nr. 29/2015 vom 16.07.2015

Dembowski redet nicht mehr

Von Daniel Ryser

Dieses Interview war seit langem fällig, spätestens seit in Deutschland die Pegidas und Hogesas (Hooligans gegen Salafisten) aus dem Boden schossen: Der deutsche Sozialwissenschaftler Gerd Dembowski war in Deutschland eine zentrale Figur im Engagement gegen Rassismus und Homophobie im Fussball. Der Mann, der zum Thema Diskriminierung und Antidiskriminierung im englischen und deutschen Fussball doktorierte, engagierte sich in Fanprojekten, schrieb Kolumnen für die «taz» und für Fanzines, zudem kuratierte er für das Bündnis Aktiver Fussballfans die viel beachtete antirassistisch ausgerichtete Wanderausstellung «Tatort Stadion».

Letzten Herbst verkündete Dembowski, dass er einen neuen Job habe: als «Corporate Social Responsibility Programme Manager» bei der Fifa in Zürich. Jetzt war es wirklich Zeit für ein Interview. Nach den jüngsten Verhaftungen von Fifa-Funktionären in einem Zürcher Nobelhotel wollte ich von Dembowski wissen – und er hätte sicher Spannendes zu erzählen gehabt –, was ein Fifa-Manager für soziale Verantwortung so treibt, gerade auch im Hinblick auf anstehende Turniere in Russland und Katar. Ist Dembowski mehr als ein Feigenblatt? Hat er die Seite gewechselt, so wie der ehemalige «Magazin»-Reporter Walter de Gregorio, der zu Sepp Blatters Sprecher wurde?

Nach einer Anfrage liess Gerd Dembowski per E-Mail knapp ausrichten, es liege nicht in seiner Kompetenz zu reden. Die Menschen im Fifa-Media-Office versprachen aber, sich am nächsten Tag zu melden. Vier Wochen ging es hin und her. Dann meldete sich Dembowski privat. Ein Bekannter habe die Hand für die WOZ ins Feuer gelegt, man könne sich ja mal zu einem Bier treffen. Ich beschloss, die grosszügige Geste zu ignorieren und die Sache professionell zu halten.

Tags darauf meldete die Medienstelle dann, Mr. Dembowski, der in «kritischer Solidarität» von seiner Website grüsst und erst noch im Mai als Punkpoet an einer Riot-Folk-Lesung an der Langstrasse auftrat, stehe der WOZ für ein Interview nicht zur Verfügung.

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