«Kick für Toleranz» : Fussball statt Angst und Zäune

Nr.  36 –

Aktivist Sadou Bah über das antirassistische Fussballturnier «Kick für Toleranz» diesen Samstag in Winterthur.

Sadou Bah, Autonome Schule Zürich.

WOZ: Sadou Bah, wenn es um Toleranz geht, hat man manchmal das Gefühl, der Sport sei für einmal der Gesellschaft voraus. Sehen Sie das ähnlich? Und wieso ist das so?
Sadou Bah: Allerdings. Solidarität und Zusammenleben scheinen im Sport einfacher zu gehen als anderswo. Gerade diesen Sommer haben wir wieder jeden Tag erleben können, wie Menschen unabhängig von Nationalität, Aufenthaltsstatus oder Hautfarbe zusammen Fussball spielen und Spass haben. Das verbindet.

Wie kam es zur Idee des «Kicks für Toleranz», der diesen Samstag in Winterthur stattfindet?
Die Initialzündung kam von WOZ-Leuten. Sie hatten die Idee einer grossen Flüchtlings-WM mit Teams aus aller Welt und kamen damit auf die Autonome Schule Zürich zu. Wir fanden die Idee toll, aber es stellte sich schnell heraus, dass das nicht so einfach ist.

Was waren die Schwierigkeiten?
Es war unmöglich, in Zürich einen Platz für so einen Anlass zu finden – die Fussballplätze sind auf lange Zeit ausgebucht. In andere Kantone auszuweichen, war keine Option: Im Aargau etwa ist die Bewegungsfreiheit für abgewiesene Asylbewerber stark eingeschränkt, das wäre für uns nicht machbar gewesen. Zum Glück gelangten wir an den FC Winterthur – wir hätten uns auch mit einem Trainingsplatz begnügt, aber der Verein hat uns sein Stadion, die Schützenwiese, zur Verfügung gestellt.

Die Autonome Schule Zürich hatte immer wieder das Problem, dass sie übermässigen Kontrollen durch die Polizei ausgesetzt war. Habt ihr keine Angst, dass am Turnier plötzlich eine Grosskontrolle stattfindet?
Nein, die Situation hat sich zum Glück sehr entspannt. Die Polizei hatte einfach falsche Vorstellungen darüber, wer und was wir sind. Nach den Kundgebungen in Zürich zugunsten der Autonomen Schule gab es aber einen intensiven Dialog mit den Behörden und dem Polizeidirektor Richard Wolff – seither hat sich das verbessert.

Zurück zum Turnier: Was für Mannschaften sind zu Gast?
Wir konnten leider nur eine einzige Mannschaft aus dem Ausland organisieren – den FC Lampedusa aus Hamburg: ein Team aus Asylsuchenden, die via Lampedusa nach Europa kamen, heute in Hamburg leben und sich dort als Sportmannschaft organisiert haben. Wobei von 46 Spielern nur 11 anreisen dürfen, der Rest erhielt keine Reisegenehmigung für den Schengen-Raum – obwohl sie ja bereits in einem Asylverfahren sind und keine Gefahr besteht, dass sie in der Schweiz noch ein Gesuch einreichen.

Der Rest der Teams ist aus der Schweiz?
Es sind Mannschaften aus den diversen Autonomen Schulen dabei, etwa aus Luzern, und mehr als ein Dutzend Teams aus Asylheimen der ganzen Schweiz. Und Sympathisantinnen und Sympathisanten, wie die Gruppe Droit de rester pour tou-te-s aus Lausanne, sowie Teams aus den Fankurven in Winterthur, Zürich und Schaffhausen. Es ist keine echte «Flüchtlings-Weltmeisterschaft», aber der Anlass setzt ein wichtiges Zeichen, gerade jetzt, wo Flüchtlinge ein mediales Dauerthema sind. Wir weisen darauf hin, dass Migration ein natürliches Phänomen ist, dem man anders begegnen kann als nur mit Angst und Zäunen. Dass es in der Verantwortung der ganzen Welt liegt, wenn Kriege geführt werden und Diktatoren an der Macht sind, die Menschen zwingen, aus ihrer Heimat zu flüchten.

Sadou Bah (48), Mitinitiant des «Kick für Toleranz»-Turniers und Aktivist der Autonomen Schule Zürich, kam 2002 aus Guinea in die Schweiz.