Nr. 45/2015 vom 05.11.2015

Retro, aber richtig

Von einem niederländischen Schiff tönt noch immer der Sound der Sixties.

Von Kaspar Surber

Wenn RadiomacherInnen das staatliche Sendemonopol brechen wollten, mussten sie Gesetzeslücken finden. So wie Radiopirat Roger Schawinski, der ab 1979 sein Radio 24 vom Pizzo Groppera an der schweizerisch-italienischen Grenze nach Zürich sendete. Erfunden hatte das Piratenradio allerdings nicht unser Roger. Schon 1959 hatten sich Radiohändler in den Niederlanden mit einem Schiff aufgemacht, um das Hoheitsgebiet an der Küste hinter sich zu lassen. Vom Fischkutter Norderney aus sandte Radio Veronica fortan sein Programm. Zuerst holländische Schlager, aber bald die neuste Popmusik. Der Sender, mit dem Zweck gegründet, ein werbefinanziertes Radio nach US-Vorbild zu schaffen, wurde zum Taktgeber für den Umbruch. Den PiratInnen gelang es, die neusten Singles der Beatles und der Stones als Erste zu spielen. Die Beliebtheit des Senders in der Bevölkerung stieg rasant. Viele Demonstrationen verhinderten das vorzeitige Aus – bis 1974 wegen einer Gesetzesrevision Schluss war.

Dank der Stiftung Norderney ist der Sender zu neuem Leben erwacht. 192 Radio spielt heute die Songs und Programme von Radio Veronica von damals. Wenn schon Retro, dann richtig! Der Stream ist ein gutes Mittel, um auch an tristen Tagen in beschwingte Laune versetzt zu werden. Die Musik der vielen Beatbands, die es neben den berühmten Beatles auch noch gab, bringt die heitere Stimmung der Wohlstandsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Und fast wirkt es, als läge das Schiff noch immer vor der Küste und kündete vom kommenden Aufbruch.

www.192radio.nl

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